Weltmarkt

Iran-Waffenstillstand: Ölpreis bricht ein, Börsen steigen

Die Feuerpause und die befristete Öffnung der Straße von Hormus verschaffen den Märkten Luft. Zugleich werfen auffällige Bewegungen auf Prognosemärkten Fragen auf.

Händler an der New York Stock Exchange in New York. Nach der Einigung auf einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran gerieten Öl- und Aktienmärkte stark in Bewegung.
Händler an der New York Stock Exchange in New York. Nach der Einigung auf einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran gerieten Öl- und Aktienmärkte stark in Bewegung.Charly Triballeau/AFP

Der Preis für die Rohölsorte Brent ist am Mittwoch im frühen asiatischen Handel um bis zu 16 Prozent auf 91,70 US-Dollar je Barrel gefallen, nachdem US-Präsident Donald Trump am Dienstagabend einem zweiwöchigen Waffenstillstand mit dem Iran zugestimmt hatte, wie Reuters berichtet. Noch am Vortag hatte Brent bei 109,27 Dollar geschlossen. US-Rohöl-Futures, also Terminkontrakte auf amerikanisches Rohöl, verloren laut AP 16,84 Dollar auf 96,11 Dollar.

Die asiatischen Aktienmärkte legten zu: Der japanische Nikkei 225 stieg um 5,0 Prozent, der südkoreanische Kospi legte 5,9 Prozent zu. Futures auf den wichtigsten US-Aktienindex S&P 500 gewannen 2,3 Prozent, wie AP meldete.

Trump hatte seine zuvor angekündigten Angriffe auf iranische Infrastruktur ausgesetzt. Irans Außenminister erklärte laut AP, die Passage durch die Straße von Hormus werde für zwei Wochen unter iranischer Militäraufsicht geöffnet. Verhandlungen sollen am Freitag in Pakistan beginnen.

Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Energierouten der Welt. Durch die Meerenge läuft rund ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggasverkehrs. Besonders asiatische Länder sind von Störungen auf dieser Route stark betroffen.

Analysten rechnen mit monatelangen Lieferengpässen

Saul Kavonic, Leiter der Energieforschung bei MST Marquee in Sydney, sagte laut Reuters, die stillgelegte Öl- und LNG-Produktion werde voraussichtlich erst bei einem dauerhaften Waffenstillstand wieder aufgenommen. Selbst bei einem Friedensabkommen bleibe der Markt in den kommenden Jahren um drei bis fünf Millionen Barrel pro Tag enger als vor dem Krieg, weil die Reparatur beschädigter Exportinfrastruktur Monate oder Jahre dauere.

Ray Attrill, Leiter der Devisenstrategie bei der National Australia Bank, sagte, ein Ölpreis von 90 Dollar schaffe eine völlig andere Lage als die 75 bis 85 Dollar vor dem Konflikt. Andrew Lilley, Chef-Zinsstratege bei Barrenjoey in Sydney, warnte, ein dauerhaft erhöhter Ölpreis werde die Inflation antreiben und Zinssenkungen der Notenbanken unwahrscheinlicher machen.

Saudi Aramco, der staatliche Ölkonzern Saudi-Arabiens, hob laut Reuters seine offiziellen Verkaufspreise für Mai-Ladungen auf Rekordhöhen an: Der Aufschlag für die Sorte Arab Light stieg auf 19,50 Dollar je Barrel über dem Oman/Dubai-Durchschnitt – 17 Dollar mehr als im April. Bei den aktuellen Marktpreisen könnte ein Barrel Arab Light für asiatische Raffinerien damit auf fast 150 Dollar steigen.

Südkoreas Importe aus Saudi-Arabien werden laut dem Datenanbieter Kpler im April auf 520.000 Barrel pro Tag fallen – den niedrigsten Stand seit 2013. Japans Saudi-Importe sinken demnach auf 373.600 Barrel pro Tag, ebenfalls ein Tiefststand.

Prognosemärkte werfen Fragen nach Vorabwetten auf

Bereits vor dem ersten US-israelischen Angriff auf den Iran Ende Februar hatten laut der New York Times Konten auf der Prognoseplattform Polymarket große Wetten platziert, die den Angriff korrekt vorhersagten. Ähnlich auffällige Wettmuster traten dem Bericht zufolge vor der US-Operation in Venezuela auf. Polymarket und die Konkurrenzplattform Kalshi verzeichneten allein im Dezember ein Handelsvolumen von mehreren Milliarden Dollar, berichtete die New York Times am 27. März.

Frühere Reuters-Recherchen und ein Senatsvorstoß haben bereits verdächtige, gut getimte Wetten im Iran-Komplex öffentlich gemacht. Der neue Durchsetzungsdirektor der US-Rohstoffaufsicht CFTC, David Miller, erklärte am 31. März bei einer Veranstaltung an der New York University laut Reuters, die Behörde beobachte die Spekulationen über Insiderhandel auf Prognosemärkten genau. Die CFTC stufe solche Ereigniskontrakte – also Wetten auf den Ausgang bestimmter Ereignisse – als Swap-Geschäfte ein, auf die Insiderhandelsrecht anwendbar sei.

In sozialen Medien verweisen das Vermögensverwalter-Profil Day Hagan Asset Management und der Finanzkommentator Pavel Bandilov parallel zu den Aktienbewegungen nach Bekanntwerden des Iran-Waffenstillstands auf auffällige Bewegungen auf Prognosemärkten. Ein öffentlich belegter Insiderfall im regulären Aktien- oder Optionshandel im Zusammenhang mit dem aktuellen Waffenstillstand liegt bislang nicht vor.