Atomstreit

Iran und USA verhandeln erneut in Genf – Streit über Urananreicherung bleibt

Der Iran und die USA planen neue Atomverhandlungen am Donnerstag in Genf. Der iranische Außenminister zeigt sich optimistisch – doch die Differenzen bleiben groß.

Atomkraftwerk Buschehr: Iran und USA wollen in Genf weiter über Teherans Nuklearprogramm verhandeln.
Atomkraftwerk Buschehr: Iran und USA wollen in Genf weiter über Teherans Nuklearprogramm verhandeln.Abedin Taherkenareh/dpa

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hat für Donnerstag laut der Nachrichtenagentur dpa eine weitere Verhandlungsrunde mit den USA über das iranische Atomprogramm in Genf angekündigt und sich zuversichtlich gezeigt, dort einen „tragfähigen Text“ für ein Abkommen auszuarbeiten.

In einem Interview mit dem US-Sender CBS News erklärte Araghtschi, er rechne mit konkreten Fortschritten. Ziel sei eine Vereinbarung, die den zivilen Charakter des iranischen Atomprogramms absichere und im Gegenzug die Aufhebung von Sanktionen vorsehe. Eine solche Regelung könne über das Wiener Atomabkommen von 2015 hinausgehen, das nach dem Ausstieg der USA 2018 faktisch zerfallen war.

Zentrale Streitpunkte bleiben ungelöst

Die Differenzen sind jedoch erheblich. Washington und Israel fordern eine vollständige Einstellung der Urananreicherung. Teheran weist dies zurück und beruft sich auf sein Recht zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Nach iranischer Darstellung ist man lediglich bereit, den derzeitigen Anreicherungsgrad von bis zu 60 Prozent zu senken. Fachleute stufen dieses Niveau als technisch nahe an waffenfähigem Material ein, auch wenn für eine Atombombe weitere Schritte notwendig wären.

Im Gegenzug verlangt der Iran die Aufhebung sämtlicher westlicher Sanktionen. Aus Sicht der USA reicht das bisherige Angebot nicht aus. Vertreter in Washington betonen, ein Abkommen müsse dauerhaft sicherstellen, dass der Iran keine militärische Nuklearoption entwickeln könne. Auch Israel äußert Zweifel, ob Teheran zu weitreichenden Zugeständnissen bereit ist.

Militärischer Druck und politische Signale

Parallel zu den diplomatischen Kontakten haben die USA ihre militärische Präsenz im Nahen Osten deutlich verstärkt. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff sagte dem Sender Fox News, Präsident Donald Trump frage sich angesichts dieses Drucks, warum der Iran bislang nicht kapituliert habe. Die verstärkte Präsenz gilt als Signal, dass Washington ein Scheitern der Gespräche nicht folgenlos lassen würde.

Araghtschi reagierte auf der Plattform X mit scharfen Worten. „Neugierig, warum wir nicht kapitulieren? Weil wir IRANER sind“, schrieb er. Die Wortmeldung unterstreicht die innenpolitische Dimension des Konflikts. Angesichts wirtschaftlicher Belastungen und wiederkehrender Proteste steht die Führung in Teheran unter Druck, zugleich will sie keine Schwäche zeigen.

Sollten die Gespräche scheitern, droht eine militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Beobachter warnen, ein offener Konflikt könnte die gesamte Region in einen Krieg hineinziehen und die ohnehin fragile Sicherheitslage im Nahen Osten nachhaltig destabilisieren. Offen ist, ob ein solcher die Machtverhältnisse im Iran zementieren oder erschüttern würde. Teile der Opposition hoffen in diesem Fall auf einen politischen Umbruch.