Nahost

Weiterer Schlag gegen Irans Führung:  Teheran bestätigt Tod von Geheimdienstchef

Israel greift erneut die Spitze des iranischen Machtapparats an. Verteidigungsminister Katz kündigt weitere Schläge und „Überraschungen“ an.

Der iranische Geheimdienstminister Esmaeil Khatib soll laut israelischen Angaben getötet worden sein.
Der iranische Geheimdienstminister Esmaeil Khatib soll laut israelischen Angaben getötet worden sein.Iranian Presidency/imago

Der Iran hat die Tötung von Geheimdienstminister Esmail Khatib bestätigt. Präsident Massud Peseschkian erklärte am Mittwoch im Onlinedienst X, der Tod des Ministers erfülle die Führung in Teheran mit Trauer, er machte jedoch keine Angaben dazu, wer den „feigen Mord“ ausgeführt habe.

Zuvor hatte Israel hat die Tötunt Khatibs bei einem Luftangriff in Teheran gemeltet. Das sagte Israels Verteidigungsminister Israel Katz nach Angaben seines Büros. Katz erklärte demnach, Khatib sei „in der Nacht eliminiert“ worden. Zugleich kündigte er weitere militärische Schritte an. „An diesem Tag sind bedeutende Überraschungen zu erwarten“, sagte er laut Mitteilung während einer Sicherheitsbesprechung. Die Angriffe auf den Iran würden an Intensität zunehmen.

Esmaeil Khatib galt als einflussreicher Hardliner im Machtapparat

Khatib gilt als einflussreiche Figur im iranischen Machtapparat. Er steht seit August 2021 an der Spitze des Geheimdienstministeriums, nachdem ihn der damalige Präsident Ebrahim Raisi ins Amt berufen hatte. Auch unter dessen Nachfolger Masoud Peseschkian blieb Khatib im Amt – ein in Iran eher ungewöhnlicher Schritt, da neue Präsidenten zentrale Posten meist neu besetzen.

Nach Einschätzung israelischer Medien galt Khatib als Hardliner mit engen Verbindungen zu Revolutionsführer Ali Chamenei. Zugleich wird ihm eine Nähe zu den Geheimdienststrukturen der Revolutionsgarden nachgesagt, die in den vergangenen Jahren zunehmend an Einfluss gewonnen haben. Beobachter sehen seit längerem Spannungen zwischen dem klassischen Geheimdienstministerium und den Nachrichtendiensten der Revolutionsgarden.

Israel weitet Angriffe auf Irans Führung aus

Der mutmaßliche Angriff auf Khatib reiht sich in eine Serie von Schlägen gegen zentrale Figuren des iranischen Machtapparats ein. Bereits am Vortag hatte Israel nach eigenen Angaben den Chef des iranischen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, ins Visier genommen. Verteidigungsminister Katz erklärte auch in diesem Fall, Laridschani sei getötet worden. Der Iran drohte mit Vergeltung für die Tötung Laridschanis und feuerte Raketen auf das Zentrum Israels ab.

Israelische Medien berichteten zudem, dass bei den Angriffen weitere hochrangige Vertreter getroffen worden seien. Als gesichert gilt nach Angaben der israelischen Armee die Tötung des Basidsch-Kommandeurs Gholamreza Soleimani. Auch sein Stellvertreter sowie weitere Mitglieder der paramilitärischen Einheit seien demnach ums Leben gekommen.

Wie die iranischen Nachrichtenagenturen Fars und Tasnim am Mittwoch meldeten, sollen Laridschani und Soleimani um 11.30 Uhr MEZ in der Hauptstadt Teheran beigesetzt werden.

Die Angriffe sind Teil einer breiteren israelischen Militärkampagne gegen die Führung in Teheran sowie gegen mit dem Iran verbundene Gruppen in der Region.

Weitere Angriffe und Drohungen

Katz zufolge haben er und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu der Armee zudem erlaubt, gegen ranghohe iranische Vertreter ohne zusätzliche Genehmigung vorzugehen.

Parallel meldete das israelische Militär weitere Angriffe im Libanon. Ziel seien Einrichtungen der Hisbollah gewesen. Zudem habe die Luftabwehr in der Nacht einen Großteil von Raketenangriffen abgefangen, die der Hisbollah zugeschrieben werden.

Die Entwicklungen fallen in eine Phase zunehmender Eskalation zwischen Israel, dem Iran und der Hisbollah. Zu Opferzahlen und Schäden auf iranischer Seite liegen bislang keine gesicherten Angaben vor.