Ölmarkt

Iran-Krieg: IEA prognostiziert stärksten Ölnachfrage-Rückgang seit Corona-Pandemie

Der Iran-Krieg hat die Aussichten für den Ölverbrauch „völlig auf den Kopf gestellt“, erklärt die Internationale Energieagentur. Sie rechnet mit einem Rückgang der Nachfrage.

Hohe Preise für Öl und Ölprodukte sorgen laut IEA für eine sinkende Nachfrage.
Hohe Preise für Öl und Ölprodukte sorgen laut IEA für eine sinkende Nachfrage.Philip Dulian/dpa

Das weltweite Ölangebot und die Ölnachfrage werden im Vergleich zum Vorjahr aufgrund des Iran-Kriegs sinken, wie aus einem neuen Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) hervorgeht. Der Krieg habe „die globalen Aussichten für den Ölverbrauch völlig auf den Kopf gestellt“, erklärte die IEA laut Reuters am Dienstag.

Ein zuvor erwartetes globales Nachfragewachstum von 730.000 Barrel pro Tag sei hinfällig geworden, wie Bloomberg berichtet. Stattdessen geht die IEA für dieses Jahr nun von einem Rückgang der Nachfrage um rund 80.000 Barrel pro Tag aus – laut Bloomberg wäre dies das erste Mal seit 2020.

„Ein prognostizierter Rückgang um 1,5 Millionen Barrel pro Tag im 2. Quartal 2026 wäre der schärfste, seit die Corona-Pandemie den Kraftstoffverbrauch einbrechen ließ“, teilte die IEA weiterhin mit. „Der Nachfrageeinbruch wird sich ausweiten, solange Knappheit und höhere Preise anhalten.“

Golfstaaten mussten Öl-Förderung massiv drosseln

Durch die weitgehende Schließung der Straße von Hormus ist der Durchfluss laut IEA von täglich mehr als 20 Millionen Barrel Rohöl auf 3,8 Millionen Barrel gesunken. Die globale Ölproduktion brach im März um 10,1 Millionen Barrel pro Tag ein – der größte Versorgungsausfall der Geschichte. Saudi-Arabien, Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait mussten ihre Förderung massiv drosseln.

Zahlreiche Länder haben laut Bloomberg Sparmaßnahmen eingeleitet: Unter anderem riefen die Philippinen den nationalen Energienotstand aus, Pakistan verkündete Austeritätsmaßnahmen, Bangladesch kürzte Bürozeiten, und vietnamesische Fluggesellschaften strichen Verbindungen. In Afrika kam es zu Engpässen an Tankstellen.

US-Seeblockade verschärft Lage

Die angekündigte zweiwöchige Waffenruhe brachte laut IEA zwar kurzfristige Entspannung. Ob daraus ein dauerhafter Frieden werde, bleibe jedoch unklar. Das Basisszenario der Agentur geht davon aus, dass reguläre Lieferungen aus dem Nahen Osten bis Jahresmitte teilweise wieder aufgenommen werden. Laut Bloomberg schätzt die IEA, dass die wichtigsten arabischen Golfproduzenten binnen zwei Wochen nach Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs die Hälfte ihrer stillgelegten Ölfelder wieder hochfahren könnten.

In dem Fall einer längeren Unterbrechung müssen sich „die Energiemärkte und Volkswirtschaften weltweit auf erhebliche Störungen in den kommenden Monaten einstellen“, erklärte die IEA dem Bericht zufolge.

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Blockade iranischer Häfen, die am Montag in Kraft trat, verschärft die Lage zusätzlich. „Die Wiederaufnahme der Durchfahrt durch die Straße von Hormus bleibt die wichtigste Variable zur Entlastung der Energieversorgung, der Preise und der Weltwirtschaft“, betonte die IEA.