Eigentlich prognostizieren die führenden Wirtschaftsinstitute für Deutschland einen moderaten Aufschwung. Aber der Krieg im Nahen Osten belastet die ohnehin fragile deutsche Wirtschaft spürbar. Führende Forschungsinstitute rechnen mit einem um mindestens 0,2 Prozentpunkte geringeren Wachstum in diesem Jahr.
Sowohl das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) als auch das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) sagten in der Frühjahrsprognose für 2026 ein Wachstum von um die einem Prozent voraus. 2027 soll sich nach derzeitigem Stand das Wachstum auf 1,2 bis 1,5 Prozent steigern. Haupttreiber seien vor allem die schuldenfinanzierten Konsumausgaben des Staates als auch die steigende Nachfrage der privaten Haushalte.
Der Iran-Krieg die große Unbekannte
Der Iran-Krieg ist das große Risiko in den Prognosen. Er könnte, insbesondere wenn der Konflikt länger anhält oder sich ausweitet, die Entwicklung deutlich verändern.
Eigentlich haben die Handelsbeziehungen mit dem Iran für Deutschland keine große Bedeutung. Der Warenaustausch lag 2025 bei knapp über einer Milliarde Euro. Das ist nicht einmal die Hälfte des Handels mit Estland. Selbst ein Totalausfälle würde in der Statistik kaum bemerkt.
Kritisch für Deutschland sind vor allem die Auswirkungen auf die globalen Energiepreise. Da Deutschland fast sein gesamtes Rohöl und Erdgas importieren muss, schlagen die höheren Preise sofort deutlich auf die Konjunktur durch. Das betrifft uns als auch wichtige Handelspartner, die dann weniger deutsche Waren importieren können.
Wie stark die Folgen aber sind, darüber gehen die Prognosen der Wirtschaftswissenschaftler deutlich auseinander: Das Ifo-Institut erwartet im günstigsten Fall nur noch 0,8 Prozent Wachstum für 2026, im Eskalationsszenario vielleicht noch 0,6 Prozent. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bleibt etwas zuversichtlicher. Sie gehen davon aus, dass es bei einem kurzen Konflikt zu keinen nennenswerten konjunkturellen Auswirkungen kommen wird.
Für 2027 reicht die Spanne von 0,8 Prozent beim Ifo bis 1,4 Prozent beim DIW. Hier nehmen beide Institute an, dass der Konflikt weitgehend beendet ist. Die Öl- und Gaspreise sollten sich bis dahin normalisieren.
Inflation zieht an, Verbraucher spüren den Druck
Die steigenden Energiepreise treiben die Verbraucherpreise nach oben. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser geht von einer Inflationsrate von knapp 2,5 Prozent aus. Sollten die Preise für fossile Energie längerfristig hoch bleiben, seien bis zu drei Prozent möglich.
Das DIW veranschlagt den inflationstreibenden Effekt auf rund 0,4 Prozentpunkte. Es sieht eher eine Inflation von 2,4 Prozent – also leicht unter dem Niveau des ifo-Instituts. Beide sind sich einig, dass die kommende Inflation über dem noch im Januar prognostizierten Niveau von um die zwei Prozent liegen wird.
Staatliche Investitionen stützen die Konjunktur
Beide Institute betonen, dass die expansive Fiskalpolitik mit Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur die Erholung grundsätzlich stütze. „Ungeachtet des Energiepreisschocks dürfte sich die Erholung fortsetzen“, sagte Wollmershäuser. Das DIW sieht Deutschland zudem weniger verwundbar als während der Energiekrise 2022. Entscheidend bleibe, wie lange die Straße von Hormus blockiert ist und ob die Ölpreise wieder sinken.


