Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, hat am Freitag mit scharfer Rhetorik auf die Massenproteste in seinem Land reagiert. Er bezeichnete dabei die Protestteilnehmer als „Vandalen“ und richtete eine Warnung an US-Präsident Donald Trump. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge war das offenbar von den Behörden gekappte Internet auch am Freitagmorgen noch gesperrt.
Die Islamische Republik werde „nicht zurückweichen“, sagte Chamenei nun am Freitag in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede. An US-Präsident Trump gerichtet, sagte er, dessen Hände seien „mit dem Blut von mehr als tausend Iranern befleckt“. Wie die bis 1979 im Iran herrschende Schah-Dynastie sei Trump „arrogant“ und werde „gestürzt“.
Trump hatte zuvor seine Drohungen gegen die Führung in Teheran bekräftigt. „Ich habe ihnen klargemacht, dass wir hart durchgreifen werden, wenn sie anfangen, Menschen zu töten, was sie bei ihren Unruhen – und sie haben viele Unruhen – häufig tun“, sagte er in einem Radiointerview. Zuvor hatte er gesagt, die USA seien „schussbereit“.
Chamenei warf den Demonstranten jetzt vor, „ihre eigenen Straßen zu zerstören, um den Präsidenten eines anderen Landes glücklich zu machen“, in Anspielung auf Trump. Der 86-jährige Regierungschef in Teheran deutete in der Fernsehansprache weiter an, dass die Behörden gegen die Demonstranten vorgehen würden, während das Publikum laut dem Portal Euronews „Tod den USA“ skandierte.
Proteste entzündeten sich an der Wirtschaftslage
Am Donnerstagabend zogen Demonstranten durch Teheran und andere Städte, nachdem der im Exil lebende Kronprinz Reza Pahlavi zu Massenprotesten aufgerufen hatte. Die Proteste dauern mittlerweile seit fast zwei Wochen an. Sie hatten sich am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Seit Beginn der Protestwelle am 28. Dezember gab es Versammlungen in mindestens 50 Ortschaften und Städten vor allem im Westen des Landes.
Vor rund einer Woche äußerte sich Chamenei erstmals zu den Demonstrationen. Er bezeichnete in einer Rede am Samstag die wirtschaftlichen Forderungen der Demonstranten als „berechtigt“ und warnte gleichzeitig die „Aufrührer“. Sie müssten in ihre Schwanken verwiesen werden. „Der Präsident und hochrangige Verantwortliche arbeiten daran, das Problem zu lösen“, so Chamenei.
Seit Beginn der Proteste wurden nach jüngsten Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen mindestens 45 Demonstranten getötet, darunter acht Minderjährige. Iranische Behörden und Medien meldeten bislang 21 Tote, darunter auch Sicherheitskräfte. (mit AFP)


