Die Internationale Energieagentur (IEA) hat am heutigen Freitag einen Krisenbericht unter dem Titel „Sheltering From Oil Shocks“ („Schutz vor Ölschocks“) veröffentlicht. Darin empfiehlt sie Regierungen, Unternehmen und Haushalten konkrete Sofortmaßnahmen gegen die stark gestiegenen Energiepreise. Die Behörde stuft die derzeitigen Lieferausfälle im Nahen Osten als die größte Angebotsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts ein.
Laut der IEA gehören zu den empfohlenen Maßnahmen die verstärkte Nutzung von Homeoffice, eine Absenkung der Tempolimits auf Autobahnen um mindestens zehn Kilometer pro Stunde sowie der Verzicht auf Flugreisen, wenn andere Verkehrsmittel verfügbar sind. Alle Vorschläge zielen auf die Senkung der Ölnachfrage ab – sie sollen den Ölverbrauch kurzfristig reduzieren und so den Preisdruck auf Verbraucher mildern.
Die Internationale Energieagentur koordiniert unter anderem Notfallmechanismen der großen Industriestaaten bei schweren Störungen am Ölmarkt. In Krisen kann sie abgestimmte Freigaben strategischer Reserven begleiten und Empfehlungen zum Energiesparen vorlegen.
IEA legt Krisenplan für Verbraucher vor
IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol erklärte am Freitag, die Behörde habe „kürzlich die größte Freigabe von IEA-Notfallölreserven aller Zeiten eingeleitet“. Er stehe in engem Kontakt mit wichtigen Regierungen weltweit, darunter große Energieproduzenten und Verbraucherstaaten. Der neue Bericht liefere darüber hinaus „ein Menü an sofortigen und konkreten Maßnahmen“, die auf der Nachfrageseite ergriffen werden könnten, um Verbraucher vor den Auswirkungen der Krise zu schützen, so Birol.
Die IEA verweist darauf, dass ihre Mitgliedstaaten bereits am 11. März die Freigabe von 400 Millionen Barrel Öl aus Notfallreserven beschlossen haben. Das war ein Rekordvolumen, wie Reuters berichtet. Den Großteil der Lieferungen stellen demnach die USA bereit.
Strategische Ölreserven gelten als Notfallinstrument für schwere Versorgungsstörungen. Sie sollen kurzfristige Ausfälle abfedern, können Preisschocks aber nur begrenzt dämpfen, wenn Förder- oder Transportprobleme länger anhalten.
Krieg gegen den Iran treibt Ölpreise
Auslöser der Marktverwerfungen ist die Eskalation des Krieges der USA und Israels gegen den Iran. Laut AP sind Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Golfregion der zentrale Treiber der Preissprünge.
Die daraus resultierenden Preissteigerungen bei Rohöl schüren weltweit Sorgen vor steigender Inflation. Der Ölmarkt ist von den Auswirkungen des Krieges gegen den Iran besonders betroffen, da ein signifikanter Teil des globalen Energiehandels über die Golfregion abgewickelt wird.


