Der Chef des Weltverbands der Fluggesellschaften (IATA), Willie Walsh, hat davor gewarnt, dass sich die Kerosinversorgung selbst bei einer dauerhaften Öffnung der Straße von Hormus voraussichtlich erst in Monaten normalisieren werde. Grund seien die Schäden an Raffineriekapazitäten im Nahen Osten, sagte Walsh laut Reuters am Mittwoch am Rande des IATA World Data Symposiums in Singapur.
Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump eine zweiwöchige Waffenruhe mit dem Iran verkündet, die an die sofortige Wiedereröffnung der Straße von Hormus geknüpft ist. Durch die Meerenge fließt normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. Die Rohölpreise fielen daraufhin laut Bloomberg um bis zu 16 Prozent auf unter 100 US-Dollar pro Barrel.
Walsh: Waffenruhe „positiv“ für die Luftfahrt
Walsh bezeichnete die Waffenruhe gegenüber Bloomberg Television als „positiv“ für die Luftfahrt: „Selbst zwei Wochen sind positiv, weil wir dann wieder einen gewissen Ölfluss erleben werden.“ Jedoch bestehe weiterhin ein kurzfristiges Risiko von Versorgungsengpässen, sagte er. Am stärksten gefährdet sei Asien, gefolgt von Afrika und Europa.
Die Flugzeugtreibstoff-Preise würden voraussichtlich „noch einige Zeit hoch bleiben“, sagte Walsh laut Bloomberg. „Wenn der Rohölpreis um 16 Prozent gesunken ist, möchte man zwar annehmen, dass der Kerosinpreis in ähnlichem Maße sinkt, aber er wird trotzdem hoch bleiben, was wiederum höhere Ticketpreise zur Folge haben wird. Das ist unausweichlich“, so Walsh.
Fluggesellschaften weltweit haben laut Bloomberg mit einer Verdopplung der Kerosinpreise zu kämpfen, einige Fluggesellschaften reduzierten demnach bereits Verbindungen.
Besonders betroffen sind laut Reuters einkommensärmere, stark importabhängige Länder wie Vietnam, Myanmar und Pakistan – nachdem China und Thailand Kerosinexporte gestoppt und Südkorea sie auf das Vorjahresniveau gedeckelt haben. Walsh äußerte laut Reuters die Erwartung, dass China und Südkorea ihre Exporte von Raffinerieprodukten wieder aufnehmen würden, sobald Rohöl wieder fließe.
Italien: Lokaler Kerosinengpass behoben
Der CEO der Malaysia Aviation Group, Nasaruddin Bakar, sagte auf dem IATA-Symposium laut Bloomberg: „Selbst wenn der Krieg aufhört, wird es noch viele Monate dauern, bis sich die Preise stabilisieren.“ Thai-Airways-Chef Chai Eamsiri bezeichnete die aktuelle Krise als den schlimmsten Ölpreisschock seiner Karriere.
Die Auswirkungen sind weltweit spürbar: Die malaysische Billigfluggesellschaft AirAsia X hat ihre Tarife laut Bloomberg um bis zu 40 Prozent angehoben. United Airlines in den USA habe die geplante Kapazität um rund fünf Prozent reduziert, Air New Zealand seine Flugpläne zum zweiten Mal gekürzt und Preise erneut erhöht, hieß es.
Ein vorübergehender Kerosinengpass an vier italienischen Flughäfen konnte hingegen durch lokale Lieferanten behoben werden, berichtete Reuters unter Berufung auf drei Quellen. Zuvor waren Fluggesellschaften auf die begrenzte Verfügbarkeit von Kerosin des britischen Unternehmens Air BP an den Flughäfen Mailand-Linate, Venedig, Treviso und Bologna hingewiesen worden.


