Zwei weitere unter indischer Flagge fahrende Flüssiggas-Tanker haben am Montag die Durchfahrt durch die Straße von Hormus begonnen, wie Bloomberg unter Berufung auf Schiffverfolgungsdaten berichtet. Die Tanker „Jag Vasant“ und „Pine Gas“ folgen dabei einer Route entlang der iranischen Küste, was dem Bericht zufolge auf ein vom Iran kontrolliertes Durchfahrtsystem hindeutet.
Üblicherweise halten sich ausfahrende Schiffe laut Bloomberg näher an der omanischen Küste, allerdings sei im März ein Schiff auf dieser konventionellen Route angegriffen worden. Die Straße von Hormus, eine wichtige Handelsroute für Öl und Flüssiggas, ist aufgrund des Iran-Kriegs weitgehend blockiert.
Mehrere Schiffe passierten Straße von Hormus
Der Iran hatte jedoch bereits Mitte März zwei indischen LPG-Tankern die Durchfahrt gestattet. Ein leitender Mitarbeiter an Bord eines dieser Schiffe sagte gegenüber Bloomberg, die iranische Marine habe den Tanker durch die Meerenge geleitet. Zudem sollen Berichten zufolge auch ein pakistanischer Öltanker sowie Schiffe mit Verbindungen zum Iran oder China die Meerenge passiert haben.
Der Iran hat mehrfach erklärt, dass die Straße von Hormus aus seiner Sicht nicht vollständig geschlossen sei. So erklärten etwa die iranischen Revolutionsgarden am Sonntag, die Handelsroute sei „nur für feindlichen und schädlichen Schiffsverkehr“ blockiert.
Die beiden indischen Tanker sendeten laut Bloomberg über ihren Transponder als Vorsichtsmaßnahme ihre indische Flaggenzugehörigkeit, jedoch keinen Zielhafen. Sie seien jedoch mutmaßlich auf dem Weg nach Indien. Eine Fahrt durch die Meerenge dauert bis zu 14 Stunden, sodass die Schiffe bereits am Montagabend die andere Seite der Route im Golf von Oman erreichen könnten.
Hoher LPG-Bedarf in Indien
Indien leidet aufgrund des eingeschränkten Verkehrs durch die Straße von Hormus an einem Mangel an Flüssiggas (LPG), das in dem Land vor allem als Kochgas verwendet wird. Die Hafenbehörden des Landes wurden laut Bloomberg angewiesen, LPG-Tankern bei der Anlegepriorität Vorrang einzuräumen.
Der Iran nutze die Straße von Hormus als „Instrument maritimer Diplomatie“, sagte Shiv Samrat Kapur, Geschäftsführer der indischen Niederlassung des Schiffsmaklers Sentosa Shipbrokers, gegenüber Bloomberg. Alle vier durchgelassenen Tanker zusammen könnten den indischen LPG-Bedarf nur für zwei bis drei Tage decken.
US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende mit Angriffen auf iranische Kraftwerke gedroht, sollte der Iran die Straße von Hormus nicht innerhalb von zwei Tagen öffnen. Am Montag erklärte er jedoch, Militärschläge auf den Iran für fünf Tage auszusetzen. Nach der Ankündigung fiel der Ölpreis an den Börsen deutlich.

