Ostdeutschland

DDR-Fußballikone: Hans-Jürgen Kreische ist tot

Der legendäre SGD-Angreifer „Hansi“ Kreische starb im Alter von 78 Jahren. Er hinterlässt ein beeindruckendes sportliches Erbe. Dynamo trauert um seinen Ex-Spieler.

Hans-Jürgen Kreische im Stadion seines Vereins Dynamo Dresden im Jahr 2013
Hans-Jürgen Kreische im Stadion seines Vereins Dynamo Dresden im Jahr 2013Christian Schroedter/imago

Hans-Jürgen Kreische, einer der herausragendsten Fußballer der DDR-Geschichte und Ehrenspielführer von Dynamo Dresden, ist in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 78 Jahren verstorben. Das teilte der Zweitligist unter Berufung auf die Familie mit. Vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC am Karsamstag wird eine Gedenkminute abgehalten, die Mannschaft wird mit Trauerflor auflaufen.

Kreische ist mit 262 Torbeteiligungen – 188 Tore und 74 Vorlagen in 344 Pflichtspielen zwischen 1964 und 1977 – der unangefochtene Top-Scorer der Vereinsgeschichte. Viermal wurde er Torschützenkönig der DDR-Oberliga (1971, 1972, 1973, 1976), fünf Meisterschaften gewann er mit Dresden. 1971 hatte er maßgeblichen Anteil am ersten Double-Gewinn im DDR-Fußball.

„Hansi war ohne Zweifel einer der größten Sportler seiner Zeit. Wenn er den Platz betrat, waren magische Momente nicht weit“, sagte sein Weggefährte und Dynamo-Legende Ralf Minge. Dynamo-Präsident Ronny Rehn erklärte, die Sportgemeinschaft sei Kreische „auf ewig zu größter Dankbarkeit verpflichtet“.

Ein Leben für Dynamo – und ein frühes Karriereende

Der am 19. Juli 1947 geborene Sohn des Dresdner Fußballers Hans Kreische trat mit zehn Jahren dem Verein bei und traf bereits bei seinem Profidebüt mit 17 Jahren. International erzielte er in 50 Länderspielen 25 Tore – nur Rekordtorschütze Joachim Streich war erfolgreicher. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München gewann er Bronze, bei der WM 1974 stand er beim legendären 1:0-Sieg der DDR gegen den späteren Weltmeister, die BRD, auf dem Platz. 1973 wurde er zum DDR-Fußballer des Jahres gewählt.

Trotz einer fast zweijährigen Verletzungspause zwischen 1973 und 1975 kämpfte sich Kreische zurück. Sein Karriereende kam überraschend: Im November 1977 trat er mit nur 30 Jahren zurück, nachdem Trainer Walter Fritzsch ihn aus disziplinarischen Gründen nicht eingewechselt hatte.

Kreische blieb dem Fußball treu. Nach Lizenzentzug und Zwangsabstieg übernahm er 1995/96 als SGD-Cheftrainer Verantwortung und arbeitete später als Scout. 2014 kehrte er nach Dresden zurück, wo er seine Erfahrung in die Nachwuchsarbeit einbrachte. Gesundheitliche Probleme schränkten seine Präsenz zuletzt zunehmend ein.