Cyber-Angriff auf Iran

Shah-Sohn ruft Irans Militär zu Widerstand gegen Irans Regierung auf

Hacker übernehmen iranisches Staatsfernsehen. Der Schah-Sohn fordert Militär zum Widerstand auf. Doch seine Führungsrolle ist umstritten.

Demonstration zur Unterstützung der Proteste im Iran in Köln
Demonstration zur Unterstützung der Proteste im Iran in KölnRoberto Pfeil/dpa

Hacker haben am Sonntagabend mehrere Kanäle des iranischen Staatsfernsehens übernommen und eine Videoansprache von Reza Pahlavi ausgestrahlt. Der im US-amerikanischen Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs wandte sich dabei direkt an das iranische Militär.

„Ihr seid die nationale Armee Irans, nicht die Armee der Islamischen Republik“, erklärte Pahlavi in der gehackten Sendung. Er forderte die Soldaten auf, sich dem Volk anzuschließen: „Ihr habt nicht mehr viel Zeit.“

Zehn Minuten Unterbrechung

Die Unterbrechung des regulären Programms dauerte nach Angaben des israelischen Senders Kan etwa zehn Minuten. Neben zwei Einspielern von Pahlavi wurde auch Videomaterial von Sicherheitskräften mit persischsprachigem Text gezeigt. Fernsehzuschauer teilten Mitschnitte des Vorfalls in sozialen Medien, Pahlavi selbst verbreitete die Aufnahmen auf der Plattform X.

Die halboffizielle Nachrichtenagentur Fars, die als den Revolutionsgarden nahestehend gilt, zitierte eine Erklärung des staatlichen Rundfunks. Darin wurde bestätigt, dass das Signal in einigen Landesteilen vorübergehend durch eine unbekannte Quelle gestört worden sei. Zum Inhalt der ausgestrahlten Botschaften äußerte sich der Sender nicht.

Proteste gegen Wirtschaftskrise blutig niedergeschlagen

Der Hackerangriff erfolgt vor dem Hintergrund massiver Proteste in Iran. Die Demonstrationen hatten sich Ende Dezember am dramatischen Wertverfall der iranischen Währung und der hohen Inflation entzündet.

Die Mullahs ließen die Proteste in den letzten Wochen niederschlagen. Ein Regierungsvertreter sprach von mindestens 5000 Getöteten, auch der iranische Führer Ali Khamenei hatte zuvor mehrere Tausend Tote eingeräumt. Menschenrechtsaktivisten gehen von noch höheren Opferzahlen und Tausenden Festnahmen aus. Demonstranten forderten das Ende der Islamischen Republik.

Pahlavis Führungsanspruch als Oppositionsfigur wird allerdings von vielen Iranern sowohl im Exil als auch im Land selbst in Frage gestellt.