Die AfD-Spitze zieht Konsequenzen aus einem umstrittenen Auftritt beim Gründungskongress ihrer neuen Jugendorganisation in Gießen. Alexander Eichwald, Bewerber für einen Vorstandsposten, hatte mit einer Rede, die in Ton und Wortwahl an Adolf Hitler erinnerte, für heftige Irritationen gesorgt. Parteichef Tino Chrupalla erklärte: „Mit dem Inhalt sowie die Art und Weise seines Bewerbungsvortrags hat sich Alexander Eichwald von den Grundsätzen der Partei distanziert. Der Bundesvorstand missbilligt das ausdrücklich und sieht sich daher veranlasst, eine Prüfung seiner Daten und Mitgliedsrechte vorzunehmen.“ Zuvor berichtete auch n-tv über den Vorfall.
AfD-Jugend
— Lafargue (@G_Platzdasch) November 30, 2025
Alexander „Eichwald wurde unter großem Beifall gefragt, ob er ein V-Mann des Verfassungsschutzes sei. Sein rollendes »R« erklärte er damit, Russlanddeutscher zu sein. Gemutmaßt wurde auch, ob der Auftritt Teil einer Comedy-Aktion sein könnte.“ pic.twitter.com/H7H6jimIkz
Eichwald sprach im Plenum mit auffällig rollendem „R“ und wählte eine Formulierung, die von Anwesenden als an die NS-Zeit angelehnt wahrgenommen wurde. Er wandte sich mit „Parteigenossen und -genossinnen“ an die Zuhörer und sagte unter anderem: „Die Liebe und Treue zu Deutschland teilen wir uns hier gemeinsam“ sowie „es ist und bleibt unsere nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen“. Diese Wortwahl löste unmittelbar scharfe Kritik aus dem Publikum aus.
„Sind sie ein V-Mann der Bundesrepublik?“ Hahahahaha. pic.twitter.com/dk540h9zl4
— Der 19 Uhr Jesus (@FFeigling) November 29, 2025
Ein satirischer Beitrag?
Ein Teilnehmer fragte unter großem Applaus nach, ob Eichwald ein V-Mann des Verfassungsschutzes sei. Eichwald wies dies zurück und begründete sein rollendes „R“ mit seiner Herkunft als Russlanddeutscher. Weitere Spekulationen kamen auf, ob es sich um eine gezielte Aktion handeln könnte, um der Partei zu schaden – etwa als satirischer Beitrag. Eichwald selbst erklärte beim Verlassen der Veranstaltung auf Nachfrage lediglich, sein Auftritt sei „ernst“ gewesen.
Zur Herkunft Eichwalds teilte Chrupalla mit, der Mann stamme aus dem AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen und sei am 5. Oktober dieses Jahres in den Kreisverband Herford aufgenommen worden. Der Beitritt zur Jugendorganisation erfolgte demnach am 15. Oktober. Auch in sozialen Medien wird über die Identität Eichwalds diskutiert. So sollen ihn Nutzer als früheren Praktikanten eines Gleichstellungsbüros in Nordrhein-Westfalen identifiziert haben.

