Arktis-Konflikt

Grönland kontert Trump: Nielsen weist Übernahme zurück

Premierminister Nielsen kontert eine Äußerung von Trump. Dabei betont er die Souveränität der Insel und ruft die restlichen  Nato-Partner zum Schutz des Völkerrechts auf.

Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen bietet Trump die Stirn.
Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen bietet Trump die Stirn.Oscar Scott Carl/imago

Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen hat am Donnerstag die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über die Arktisinsel zurückgewiesen. Trump hatte zuvor auf seiner Plattform Truth Social die Nato angegriffen und Grönland dabei als „großes, schlecht regiertes Stück Eis“ bezeichnet.

„Wir sind kein Stück Eis. Wir sind eine stolze Bevölkerung von 57.000 Menschen, die jeden Tag als gute Weltbürger arbeiten“, sagte Nielsen gegenüber Reuters.

Der grönländische Regierungschef rief die Nato-Partner auf, das Völkerrecht und die geopolitische Nachkriegsordnung gemeinsam zu verteidigen. „Diese Dinge werden jetzt infrage gestellt, und ich denke, alle Verbündeten sollten zusammenstehen, um sie zu bewahren“, erklärte Nielsen.

Trump kritisiert Nato wegen Iran-Konflikt

Trumps Posting folgte auf ein Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Mittwoch. Der US-Präsident warf der Allianz vor, die USA im Konflikt mit dem Iran nicht unterstützt zu haben. Die USA und Israel hatten den Iran am 28. Februar angegriffen. Mehrere Nato-Staaten verweigerten Unterstützung oder schränkten sie ein. Trump bezeichnete die Nato als „Papiertiger“.

Die Äußerung knüpft an einen Streit an, der das Bündnis bereits zu Jahresbeginn belastet hatte. Damals hatte Trump erklärt, die USA wollten die strategisch wichtige Arktisinsel übernehmen, notfalls auch mit militärischen Mitteln.

Dahinter stehen auch Rohstoff-Interessen: In Grönland lagern große Vorkommen seltener Erden. Nach heftigen Reaktionen aus Europa relativierte Trump seine Pläne. Der US-Präsident hatte seinen Vorstoß unter anderem damit begründet, die Insel müsse vor Einfluss aus Russland und China geschützt werden.

Grönland gehört zum Nato-Mitglied Dänemark, verfügt als selbstverwaltetes Gebiet jedoch über weitgehende Autonomie. Auf der arktischen größten Insel der Welt im Nordatlantik zwischen Kanada und Island leben rund 57.000 Menschen, die Mehrheit gehört der Inuit-Bevölkerung an; Amtssprache ist Kalaallisut.

Wirtschaftlich hängt Grönland bis heute stark von der Fischerei und einem hohen dänischen Finanzzuschuss ab. Die Regierung in Kopenhagen und die Führung in Grönland lehnen eine Übernahme durch die USA strikt ab.

Diplomatische Gespräche laufen weiter

Trotz der verbalen Angriffe laufen laut Nielsen die diplomatischen Gespräche zwischen Grönland, Dänemark und den USA weiter. Weitere Treffen seien geplant. Nielsen sagte jedoch, Trump habe seinen Anspruch auf die Insel nicht aufgegeben: „Ich kann nicht erkennen, dass sein Wunsch, Grönland zu übernehmen oder zu kontrollieren, vom Tisch genommen wurde.“

Trump hatte bereits 2019 erstmals Interesse an einer Annektion Grönlands geäußert. Die USA unterhalten auf Grönland bereits einen Militärstützpunkt auf Grundlage eines Abkommens von 1951.