Bildung

GEW-Studie: Rekordzahl an Schulabbrechern in Sachsen

Immer mehr Jugendliche in Sachsen verlassen die Schule ohne Abschluss. GEW-Vizechefin Claudia Maaß bezeichnete die Entwicklung als „Tragödie".

Im vergangenen Jahr gab es so viele Schulabbrecher in Sachsen wie nie.
Im vergangenen Jahr gab es so viele Schulabbrecher in Sachsen wie nie.David Inderlied/dpa

Im Schuljahr 2024/2025 haben in Sachsen so viele Jugendliche wie nie zuvor die Schule ohne Abschluss verlassen. Insgesamt 3210 Schüler – 1924 Jungen und 1286 Mädchen – gingen ohne Abschluss ab, wie aus einer Kleinen Anfrage der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag hervorgeht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bestätigte, dass es sich um einen historischen Höchststand handelt.

Innerhalb nur eines Schuljahres stieg der Anteil der Schulabbrecher um rund fünf Prozent. Im Vergleich zu den Zahlen von vor zehn Jahren beträgt der Anstieg sogar mehr als ein Viertel.

Entwicklung ist eine „Tragödie“

GEW-Vizechefin Claudia Maaß bezeichnete die Entwicklung als „Tragödie" und forderte ein grundlegendes Umsteuern in der Bildungspolitik. „Jedes Kind, das uns in der Schule verloren geht, ist eine Tragödie", sagte Maaß. Wer jetzt nicht handle, werde „alsbald zehn Prozent Abbrecherquote mit Krokodilstränen quittieren". Sie verlangte eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung der Schulen, mehr hochqualifiziertes Fachpersonal – insbesondere Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache –, kleinere Klassen sowie mehr statt weniger Schulsozialarbeit. Zudem brauche es wirksame Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit nicht deutscher Herkunftssprache sowie faire Ausgleichsregelungen bei Prüfungen.

Bundesweiter Trend mit besonders hoher Quote bei ausländischen Schülern

Die Entwicklung in Sachsen ist laut GEW kein Einzelfall, sondern Teil eines bundesweiten Trends. Deutschlandweit blieben rund 62.000 Schulabgänger ohne Abschluss – das entspricht knapp acht Prozent. Bei Schülern mit ausländischen Wurzeln liegt die Quote mittlerweile bei 25 Prozent.

Auch der Sächsische Handwerkstag schlug Alarm. Präsident Uwe Nostitz kritisierte, dass die politische Debatte falsche Schwerpunkte setze. „Anstatt darüber zu diskutieren, ob Schulnoten in Sachsen noch zeitgemäß sind, sollten wir uns darauf konzentrieren, die Zahl der Schulabbrecher signifikant zu senken", sagte Nostitz. Es gehe nicht darum, Übergangssysteme wie das Berufsvorbereitungsjahr immer weiter auszubauen. Stattdessen müssten die Schulen selbst gestärkt werden – mit qualifiziertem Lehrpersonal, bestmöglicher Ausstattung und individueller Förderung. „Diese Maßnahmen sind eine lohnende Investition in die Bildung", so Nostitz.

Die steigenden Abbrecherzahlen stellen nicht nur ein bildungspolitisches Problem dar, sondern verschärfen auch den bereits bestehenden Fachkräftemangel – gerade im Handwerk, das dringend auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen ist.