Die vom Gesundheitsministerium eingesetzte Expertenkommission zur Stabilisierung der Krankenversicherungs-Beitragssätze hat das Modell der Teilkrankschreibung in Deutschland vorgeschlagen. Im Bericht vom Montag mit insgesamt 66 Vorschlägen ist dies einer der Punkte, der Arbeitnehmer direkt betreffen würde.
Ärztinnen und Ärzte sollen dem Vorschlag nach Beschäftigte künftig zu 25, 50, 75 oder 100 Prozent krankschreiben können. Bisher kennt das deutsche Sozialrecht nur zwei Zustände: voll arbeitsfähig oder vollständig arbeitsunfähig.
Die Kommission verweist auf skandinavische Länder, in denen eine abgestufte Arbeitsunfähigkeit bereits existiert und sich positiv auf die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt ausgewirkt habe. Beschäftigte blieben so in ihren sozialen Strukturen eingebettet, was besonders bei psychischen Erkrankungen stabilisierend wirke.
Auch der Verlust beruflicher Fähigkeiten durch lange Abwesenheit lasse sich verhindern. Langfristig könnten die solidarisch finanzierten Krankengeldausgaben stabilisiert werden. Die Expertenkommission rechnet bis 2030 mit Ersparnissen von knapp 320 Millionen Euro.
Zusätzlicher Druck durch Arbeitgeber als Risiko
Das Gremium räumt ein, dass Arbeitgeber Druck ausüben könnten, trotz Erkrankung teilweise weiterzuarbeiten – mit der Gefahr von Verschleppung und Chronifizierung. Entscheidend sei, dass die Einschätzung auf medizinischer Grundlage erfolge und die Zustimmung der Betroffenen voraussetze.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) lehnt das Modell aufgrund dieser Gefahr ab. Die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier warnte: „Wer zu früh wieder einsteigt, steigert damit das Risiko längerer oder schwerer Erkrankungen.“ In der Gesamtrechnung würden sich die Fehlzeiten nur noch weiter summieren.
Politische Debatte um Krankenstand
Der Vorschlag fällt in eine aufgeladene Debatte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuletzt wiederholt die hohen Fehlzeiten deutscher Arbeitnehmer kritisiert, mehr Arbeitsleistung gefordert und die telefonische Krankschreibung infrage gestellt. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, forderte im Januar hingegen sogar Lockerungen bei Krankschreibungen, da die derzeitigen Vorgaben oft zu unnötigen Arztbesuchen führten.


