Tourismus

Gastgewerbe an der Ostsee unter Druck: Traditionshotel auf Usedom insolvent

Immer mehr Hotels und Gaststätten an der Ostseeküste kämpfen ums Überleben. Jetzt trifft es ein Vier-Sterne-Haus kurz vor der Sommersaison.

Für das Gastgewerbe an der deutschen Ostseeküste ziehen dunkle Wolken auf.
Für das Gastgewerbe an der deutschen Ostseeküste ziehen dunkle Wolken auf.Frank Molter/dpa

Das Vier-Sterne-Hotel Kaliebe auf der Ostseeinsel Usedom hat Insolvenz angemeldet. Das Haus, das nur 250 Meter vom Strand entfernt liegt, geriet kurz vor dem Saisonstart in eine finanzielle Schieflage. Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Schließungen und Insolvenzen im Gastgewerbe entlang der Ostseeküste.

Erst kürzlich musste das Hotel Usedom Palace nach 125 Jahren seinen Betrieb endgültig einstellen. In Stralsund traf es den traditionsreichen Scheelehof, der ebenfalls wegen finanzieller Probleme schließen musste. Selbst Europas größter Hotelbetreiber ist von der Krise betroffen – unter anderem mit einem Haus auf der Ostseeinsel Rügen.

Fachkräftemangel und steigende Kosten setzen Branche zu

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Krister Hennige, sieht die Ursachen in einer Kombination aus fehlendem Personal und massiv gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten. „Viele Betriebe gerieten in Schwierigkeiten wegen fehlender Arbeitskräfte und zu hoher Energie- und Lebensmittelkosten", sagte der Dehoga-Chef. Die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie helfe zwar vielen Betrieben, doch für einige komme diese Maßnahme zu spät.

Hennige äußerte sich zuversichtlich, dass sich für das betroffene Hotel auf Usedom ein Investor finden lasse. Gleichzeitig rechnet er damit, dass weitere Hotels in der Region in Schwierigkeiten geraten könnten. Die Lage an der Ostseeküste verdeutlicht damit ein strukturelles Problem der gesamten Branche: Steigende Betriebskosten, der anhaltende Fachkräftemangel und eine schwierige wirtschaftliche Gesamtlage treffen insbesondere inhabergeführte und traditionsreiche Häuser, die über geringere finanzielle Reserven verfügen.