Frankreichs Rassemblement National (RN) hat bei der zweiten Runde der Kommunalwahlen am Sonntag in keiner Großstadt die Mehrheit errungen. Das geht aus den Ergebnissen hervor, die das Innenministerium in der Nacht zum Montag veröffentlichte. Gut 13 Monate vor der Präsidentschaftswahl 2027 ist das ein Rückschlag für die Partei von Marine Le Pen.
In Paris setzte sich der Sozialist Emmanuel Grégoire mit neun Punkten Vorsprung gegen die konservative Ex-Ministerin Rachida Dati durch. In Marseille, dem wichtigsten Ziel des RN, wurde der sozialistische Amtsinhaber Benoît Payan mit 54 Prozent wiedergewählt.
Payan profitierte davon, dass die Kandidatin der Linkspartei La France Insoumise (LFI) zwischen beiden Wahlgängen zurückgezogen hatte, um das RN zu verhindern. „Diese Stadt, die manche verloren glaubten, hat ihr schönstes Gesicht gezeigt“, sagte Payan am Sonntagabend laut Reuters. Auch in Toulon unterlag das RN.
Ciotti gewinnt Nizza für die Rechte
Einen Gegenakzent setzte Éric Ciotti. Er gewann mit seiner an das RN angelehnten Rechtspartei UDR Nizza in einem Dreikampf mit 48,5 Prozent. Amtsinhaber Christian Estrosi von Édouard Philippes Mitte-rechts-Partei Partei Horizons kam auf 37,2 Prozent. Damit gewinnt die extreme Rechte laut Le Monde ein politisch wichtiges Schaufenster an der Côte d’Azur, auch wenn es formal kein RN-Sieg ist.
RN-Chef Jordan Bardella widersprach am Sonntagabend der Einschätzung, seine Partei stoße an Grenzen, und sprach laut Reuters vom „größten Fortschritt in der gesamten Geschichte“ des Rassemblement National. Die Partei hielt Perpignan und gewann unter anderem Carcassonne und Menton.
Philippes Ambitionen gestärkt
Im Mitte-rechts-Lager verteidigte Ex-Premierminister Édouard Philippe sein Rathaus in Le Havre mit 47,7 Prozent in einem Dreikampf gegen einen kommunistischen und einen RN-UDR-Kandidaten. Philippe hatte seine Wiederwahl zur Bedingung einer möglichen Präsidentschaftskandidatur 2027 gemacht. Am Sonntagabend sprach er laut Reuters von Gründen zur Zuversicht, wenn sich alle Kräfte des demokratischen Lagers sammeln und die Extreme zurückweisen.
Schwer traf es dagegen François Bayrou. Der frühere Premierminister und Chef der Zentrumspartei MoDem verlor sein seit zwölf Jahren gehaltenes Bürgermeisteramt in Pau im Südwesten Frankreichs mit nur 344 Stimmen Rückstand gegen den Sozialisten Jérôme Marbot. Le Monde sieht in Bayrous Niederlage ein Symbol für die Erschöpfung des Macronismus. Der Zentrismus, für den Bayrou seit dem Jahr 2017 an der Seite von Präsident Emmanuel Macron stand, funktioniere nicht mehr.
In Montreuil östlich von Paris gewann erneut eine kommunistisch geführte Liste der vereinten Linken, während sich in Nîmes in Südfrankreich in der Stichwahl ein breites linkes Bündnis gegen das RN durchsetzte.
Linke stark ohne LFI, Macron-Lager auf Rechtskurs
Die Ergebnisse zeigen laut einer Reuters-Analyse ein Muster: Die gemäßigte Linke schnitt dort besser ab, wo sie ohne LFI antrat – in Paris und Marseille. In Städten mit sozialistisch-LFI-Bündnissen wie Toulouse oder Limoges unterlagen linke Kandidaten. LFI, die Partei von Jean-Luc Mélenchon, gewann zwar in Roubaix und in Saint-Denis bei Paris, blieb darüber hinaus aber begrenzt. LFI-Koordinator Manuel Bompard erklärte am Wahlabend auf X, die traditionellen Parteien verlören an Boden.
Der Streit zwischen Sozialisten und LFI dreht sich offen um Strategie und Führungsanspruch links der Mitte: PS-Chef Olivier Faure wirft Mélenchon vor, die Linke zu spalten, während die Sozialisten lokale Bündnisse mit LFI teils nicht ausschlossen und die Regierung in Paris faktisch tolerieren.
Le Monde merkte allerdings an, dass Renaissance-Kandidaten in Bordeaux und Annecy ihr Parteilabel zugunsten einer Mitte-rechts-Positionierung abgelegt hatten. Renaissance ist die Partei von Präsident Emmanuel Macron und zentristischer Teil des Regierungslagers. Der Macronismus habe dort Erfolg, wo er in einem rechten Angebot aufgehe, schrieb die Zeitung.
Die Grünen, die im Jahr 2020 in mehreren Großstädten triumphiert hatten, verloren laut Reuters Rathäuser in Straßburg, Bordeaux und Poitiers. In Lyon hielt sich der grüne Amtsinhaber Grégory Doucet nur knapp.
Auffällig ist auch die schwache Beteiligung: Sie lag im Jahr 2026 klar unter dem langjährigen Schnitt, in Großstädten mobilisierten die Parteien noch weniger Wähler als landesweit.


