Weltall

Forscher überrascht: Bislang größtes Bild vom Zentrum der Milchstraße veröffentlicht

Die Europäische Südsternwarte zeigt erstmals eine detaillierte Karte unseres Galaxie-Zentrums. Am Nachthimmel entspricht das Bild einer Fläche von drei nebeneinanderliegenden Vollmonden.

Dieses Bild zeigt die komplexe Verteilung von molekularem Gas in der Central Molecular Zone (CMZ) der Milchstraße.
Dieses Bild zeigt die komplexe Verteilung von molekularem Gas in der Central Molecular Zone (CMZ) der Milchstraße.ALMA(ESO/NAOJ/NRAO)/S. Longmore et al. Background: ESO/D. Minniti et al.

Einem internationalen Forscherteam ist mit dem Radioteleskop ALMA die bislang größte und detailreichste Aufnahme des Zentrums der Milchstraße gelungen. Das Bild zeigt ein Areal von mehr als 650 Lichtjahren Ausdehnung und enthüllt ein komplexes Netzwerk aus Gasfilamenten rund um das supermassereiche Schwarze Loch im Kern unserer Galaxie, wie die Europäische Südsternwarte (ESO) in einer Pressemitteilung am Mittwoch erklärte.

Die Aufnahme entstand im Rahmen des Projekts ALMA CMZ Exploration Survey (ACES) und wurde aus zahlreichen Einzelbeobachtungen zusammengesetzt. Am Nachthimmel entspricht das Mosaik laut ESO einer Fläche von drei nebeneinanderliegenden Vollmonden – es ist das größte Bild, das je mit dem in der chilenischen Atacama-Wüste stationierten Radioteleskop aufgenommen wurde. ALMA wird gemeinsam von der ESO, den USA und Japan betrieben.

Im Zentrum der Aufnahme liegt die sogenannte Zentrale Molekülzone (CMZ). Dieser Bereich ist im sichtbaren Licht hinter dichten Staubwolken verborgen. „Es ist ein Ort der Extreme, für unsere Augen unsichtbar, aber nun in außerordentlicher Detailtreue enthüllt“, sagte ESO-Astronomin Ashley Barnes laut der Pressemitteilung. Die Daten zeigen nach Angaben der ESO Dutzende verschiedener Moleküle – von Siliziummonoxid bis hin zu organischen Verbindungen wie Methanol, Aceton oder Ethanol.

Dieses Bild zeigt die Lage der Central Molecular Zone (CMZ), einer Region im Zentrum unserer Galaxie, die reich an dichten und komplexen Gaswolken ist.
Dieses Bild zeigt die Lage der Central Molecular Zone (CMZ), einer Region im Zentrum unserer Galaxie, die reich an dichten und komplexen Gaswolken ist.ALMA(ESO/NAOJ/NRAO)/S. Longmore et al. Stars in inset: ESO/D. Minniti et al. Milky Way: ESO/S. Guisard

Extreme Bedingungen wie im frühen Universum

Die CMZ beherbergt einige der massereichsten Sterne unserer Galaxie. „Viele von ihnen leben schnell und sterben jung und beenden ihr Leben mit gewaltigen Supernova-Explosionen, wenn nicht sogar Hypernovas“, erklärte ACES-Projektleiter Steve Longmore von der John-Moores-Universität in Liverpool gegenüber der ESO. Die Erforschung der Sternentstehung in dieser Region könne auch Aufschluss darüber geben, wie Galaxien insgesamt entstanden sind, so Longmore weiter.

Nach Einschätzung der Forscher ähnelt die CMZ Galaxien im frühen Universum, in denen sich Sterne unter chaotischen Bedingungen bildeten, wie die ESO mitteilte. „Wir waren von der Komplexität und Fülle des fertigen Mosaiks aufrichtig überrascht“, sagte ALMA-Astronomin Katharina Immer laut der Pressemitteilung. Die Ergebnisse werden nun in sechs Fachartikeln in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlicht.

Barnes verwies laut ESO zudem auf künftige Möglichkeiten: Mit dem geplanten Breitband-Upgrade von ALMA und dem Extremely Large Telescope werde es möglich sein, noch feinere Strukturen aufzulösen. „In vielerlei Hinsicht ist dies erst der Anfang“, so Barnes.