Es sind die entscheidenden Minuten der Mondmission: Die Raumkapsel „Orion“ rast mit rund 39.693 Kilometern pro Stunde auf die Erde zu, umhüllt von glühendem Plasma. Für sechs Minuten bricht der Kontakt ab. Dann die erlösende Nachricht. „Houston, Integrity, wir hören euch laut und klar“, funkt Kommandant Reid Wiseman an das Kontrollzentrum in Houston, wie NBC News berichtet.
Kurz darauf setzt die Kapsel planmäßig im Pazifik vor der Küste Kaliforniens auf. Drei Fallschirme bremsen den Absturz, die Landung gelingt „bilderbuchmäßig“, wie NBC schreibt.

Erste Mondumrundung seit 1972
Mit der Wasserung endet die erste bemannte Mondmission seit Apollo 17 im Jahr 1972. Vier Astronauten waren fast zehn Tage unterwegs: Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und der Kanadier Jeremy Hansen. „Wir haben es geschafft“, sagt Lori Glaze auf einer Pressekonferenz nach der Landung. „Zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren haben wir Menschen zum Mond geschickt und sicher zurückgebracht.“
Die Crew legte insgesamt rund 1,1 Millionen Kilometer zurück. Beim Vorbeiflug erreichten die Astronauten eine Entfernung von 406.771 Kilometern zur Erde – weiter als je ein Mensch zuvor, wie AP berichtet.

Blick auf die verborgene Seite des Mondes
Ein Höhepunkt der Artemis-II-Mission: Bilder der Mondrückseite, die bislang kein Mensch aus dieser Perspektive gesehen hat. Die Astronauten dokumentierten Kraterlandschaften, Gebirgszüge und erstarrte Lavafelder. Sie beobachteten Einschlagbecken, die vor Milliarden Jahren entstanden sind, und untersuchten die Grenzlinie zwischen Licht und Schatten auf der Mondoberfläche. Diese Daten sollen helfen zu verstehen, wie der Mond entstanden ist und sich entwickelt hat, erklärte die Nasa.
Auch eine totale Sonnenfinsternis gehörte zu den eindrucksvollsten Momenten. Lori Glaze sprach laut BBC von einer „völlig einzigartigen Erfahrung“.

Risiko Wiedereintritt – Fokus auf Hitzeschild
Der Rückflug gilt als gefährlichste Phase jeder Raumfahrtmission. Temperaturen von bis zu 2.700 Grad Celsius wirken auf die Kapsel ein. Besonders im Fokus stand der Hitzeschild von „Orion“. Bei der unbemannten Vorgängermission Artemis I im Jahr 2022 waren Teile des Materials beschädigt worden.
Für Artemis II passte die Nasa deshalb das Wiedereintrittsprofil an, um die Belastung zu reduzieren. Erste Aufnahmen des Schilds wurden bereits gemacht, eine detaillierte Auswertung soll folgen, berichtet NBC.

Testflug mit Problemen – und großer Wirkung
Artemis II war als Testmission angelegt. Eine Landung auf dem Mond war nicht vorgesehen. Dennoch lief nicht alles reibungslos: Ventile im Trinkwasser- und Antriebssystem bereiteten Probleme, zudem fiel die Bordtoilette zeitweise aus, wie AP berichtet. Für die Nasa überwiegt dennoch der Erfolg. Orion-Manager Howard Hu sprach laut BBC vom „Beginn einer neuen Ära der bemannten Raumfahrt“.
Amit Kshatriya, leitender Nasa-Manager, bezeichnete die Mission als entscheidenden Schritt: „Der Weg zur Mondoberfläche ist frei, aber die Arbeit vor uns ist größer als die hinter uns“, sagte er laut NBC.
Politische Aufmerksamkeit – und große Ziele
US-Präsident Donald Trump gratulierte der Crew zu einer „spektakulären“ Mission und lud die Astronauten ins Weiße Haus ein. Die internationale Aufmerksamkeit ist Teil eines größeren Kontexts: Die USA wollen ihre Führungsrolle im All sichern und eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond aufbauen.


