Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat im November einen neuen Dämpfer erhalten. Wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo-Institut) am Dienstag zu seiner Unternehmensumfrage mitteilte, sank das Barometer für die Exporterwartungen auf minus 3,4 Punkte, von plus 2,2 Zählern im Oktober.
Die deutschen Exporteure blicken pessimistisch in die Zukunft: Fast über alle Branchen hinweg erwarten sie stagnierende Geschäfte. Besonders das Geschäft mit den USA schwächelt, wie auch das Handelsblatt zuvor berichtete.
„Seit Monaten zeigt sich in der Exportwirtschaft kaum Bewegung“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Die Stimmung ist bestenfalls durchwachsen. Anzeichen einer nachhaltigen Erholung fehlen weiterhin.“
Nach Angaben des Ifo-Instituts ist der Optimismus in der Automobilwirtschaft nach zwei hoffnungsvollen Monaten wieder verflogen. Die Unternehmen rechnen mit sinkenden Exporten. Gleiches gilt für die Nahrungsmittel- und die Metallindustrie.
Dagegen sind die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen optimistisch und erwarten steigende Auslandsumsätze. Auch die Lederindustrie rechnet mit einem Exportplus. Im Maschinenbau und bei den Herstellern von elektronischen und optischen Erzeugnissen bleibt das Exportgeschäft weitestgehend konstant.
Strukturelle Probleme belasten Exportwirtschaft
Wohlrabe sieht grundlegende Probleme für das deutsche Wirtschaftsmodell: „Früher konnte sich Deutschland aus Krisen herausexportieren. Das fällt nun weg.“ Die internationale Wettbewerbsfähigkeit gerate unter die Räder. „Unser Wirtschaftsmodell steht strukturell unter erheblichem Druck.“
Ein Grund dafür ist laut Ifo-Institut, dass China zunehmend selbst Waren herstellt, die früher aus Deutschland bezogen wurden. Zudem läuft das Geschäft mit den USA schlecht, da Präsident Donald Trump hohe Importzölle für Waren aus der Europäischen Union verhängt hat.
In den ersten neun Monaten des Jahres wurden Güter im Wert von 112,7 Milliarden Euro in die weltgrößte Volkswirtschaft geliefert und damit 7,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Seit August gilt für die überwiegende Mehrheit der EU-Exporte in die USA ein einheitlicher Zollsatz von 15 Prozent – ein Mehrfaches des früheren Wertes.
Die Kombination aus strukturellen Veränderungen und handelspolitischen Spannungen setzt die deutsche Exportwirtschaft unter Druck. Experten sehen darin eine Gefahr für das stark exportorientierte Wirtschaftsmodell Deutschlands.


