Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat in ihrer neuen Friedensdenkschrift deutlich veränderte Positionen vorgestellt. Das Grundlagenpapier mit dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Frieden im Blick“ ist die erste große friedensethische Positionierung der deutschen Protestanten seit 2007 und steht im Zeichen aktueller Konflikte wie dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem Gazakrieg.
Die EKD bekennt sich darin weiterhin zum Vorrang des „Gerechten Friedens“, erkennt jedoch erstmals an, dass Abschreckung, auch durch Atomwaffen, unter bestimmten Umständen politisch notwendig sein könne. „Ethisch ist die Ächtung von Atomwaffen aufgrund ihres verheerenden Potenzials geboten“, heißt es in dem Papier. „Der Besitz von Nuklearwaffen kann aber angesichts der weltpolitischen Verteilung dieser Waffen trotzdem politisch notwendig sein.“
Kirchlicher Streit um Atomwaffen und Pazifismus
Für Streit sorgte diese Positionierung noch am Tag der Veröffentlichung. Der Friedensbeauftragte der EKD, Landesbischof Friedrich Kramer, widersprach entschieden: „Ich bin der Meinung, wir sollten bei einem klaren Nein ohne jedes Ja bleiben“, sagte er. Auch kirchliche Friedensgruppen reagierten kritisch.
In der Denkschrift heißt es, gerechter Frieden sei „mehr als die Abwesenheit von Krieg“. Nächstenliebe könne in bestimmten Situationen auch bedeuten, bedrohte Menschen aktiv zu schützen, so die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs. Gewalt anzuwenden, bleibe ein moralisches Dilemma – aber auch das Zulassen von Gewalt könne Schuld bedeuten.
