Wirtschaftspolitik

Europas Wirtschafts-Comeback? Studie von Roland Berger weckt neue Hoffnung

Eine neue Studie von Roland Berger sieht Europas Wettbewerbsfähigkeit im Aufwind. Der Kontinent steht vor einer Trendwende.

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger sieht Europa vor einem Wirtschaftsaufschwung.
Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger sieht Europa vor einem Wirtschaftsaufschwung.Jan Woitas / dpa-Zentralbild / dpa

Europa könnte vor einem wirtschaftlichen Aufschwung stehen. Darauf deutet der „European Future Readiness Index“ von Roland Berger hin. Die Unternehmensberatung stellte den Bericht heute am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos vor. Die Analyse untersucht die Wettbewerbsfähigkeit Europas über einen Zeitraum von 20 Jahren und erfasst neben den EU-Staaten auch Norwegen, die Schweiz und Großbritannien.

Der Index basiert auf 24 Kennzahlen, die zu sechs Teilindizes gebündelt sind: Humankapital, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Innovation, Resilienz, Infrastruktur sowie Institutionen. Fünf dieser sechs Bereiche haben zuletzt ihren langjährigen Mittelwert überschritten. Insgesamt liegt der Index wieder über seinem historischen Durchschnitt, wenn auch weiterhin auf niedrigem Niveau. „Europa muss sich aber weiter massiv anstrengen“, so Stefan Schaible, Global Managing Partner bei Roland Berger.

Sinkende Energiepreise für Industrie treiben Innovation

Besonders positiv entwickelt sich das Humankapital. Höhere Bildungsausgaben, mehr Hochschulabsolventinnen und -absolventen sowie ein steigender Frauenanteil in Führungsgremien sorgen hier seit Jahren für Auftrieb. Auch Resilienz, Nachhaltigkeit und Infrastruktur zeigen nach Rückschlägen wieder leichte Verbesserungen.

Bei Nachhaltigkeit seien vor allem der deutliche Rückgang der CO₂-Emissionen pro Einheit Bruttoinlandsprodukt sowie die Stabilisierung der Werte von Biodiversität wichtig. Die Verbesserung der Werte für Infrastruktur ist insbesondere auf die seit einem Jahr deutlich sinkenden Energiepreise für die Industrie zurückzuführen. Allerdings ist hier das Niveau von vor 2020 noch nicht wieder erreicht.

Ob die steigenden Verteidigungsausgaben wirklich zu einer Verbesserung der Widerstandskraft führen, wie Roland Berger behauptet, ist fraglich. Hier sehen viele Wissenschaftler eher negative Effekte.

Strukturelle Schwächen der EU bleiben

Deutlich kritisch beurteilt die Studie hingegen die Qualität der Institutionen und die digitale Wettbewerbsfähigkeit. Bürokratische Komplexität, steigende Staatsschulden und schwache Innovationsdynamik bremsen den Kontinent. Als zentrale Hebel empfehlen die Autoren den Abbau von Regulierung, die Vollendung der Kapitalmarktunion und eine bessere Nutzung industrieller Daten.

Es ist diskutabel, ob diese allgemeinen und klassisch neoliberalen Forderungen reichen, um die Wettbewerbsfähigkeit der EU wiederherzustellen. Hier wäre eine weitere Untersetzung mit konkreten Beispielen interessant gewesen.