Abwassertests

Europas neue Drogenstudie: Kokain dominiert im Westen, Ketamin stark im Aufwind

Eine europaweite Analyse von 115 Städten zeigt deutliche Verschiebungen beim Drogenkonsum. Besonders Ketamin und Kokain nehmen zu, während Ecstasy zurückgeht.

Ein Pressesprecher des Zolls Hamburg präsentiert auf einem Medientermin im Hafen einen kleinen Teil sichergestellten Kokains.
Ein Pressesprecher des Zolls Hamburg präsentiert auf einem Medientermin im Hafen einen kleinen Teil sichergestellten Kokains.Marcus Brandt/dpa

In Europas Städten werden zunehmend Kokain und Ketamin konsumiert – allerdings mit klaren regionalen Schwerpunkten. Das zeigt eine neue Abwasseranalyse der EU-Drogenagentur EUDA, für die Proben aus 115 Städten in 25 Ländern ausgewertet wurden.

Demnach stiegen die Ketamin-Rückstände im Abwasser zwischen 2024 und 2025 um rund 41 Prozent. Auch Kokain legte deutlich zu, mit einem Anstieg um etwa 22 Prozent. Besonders hohe Kokainwerte wurden erneut in Städten in Belgien, den Niederlanden und Spanien gemessen.

Beim Ketamin zeigt sich ein besonders dynamischer Trend. Die Substanz, ursprünglich ein Narkosemittel in der Notfallmedizin und Tiermedizin, wird auch als Partydroge konsumiert. Hohe Werte wurden nicht nur in Belgien und den Niederlanden gemessen, sondern auch in deutschen Städten.

Deutschland fällt zudem bei anderen synthetischen Drogen auf. In mehreren Städten wurden besonders hohe Rückstände von Amphetamin (Speed) und Methamphetamin (Crystal Meth) nachgewiesen. Diese Substanzen sind vor allem in Nord- und Mitteleuropa verbreitet.

Drogenkonsum in Europa: Klare Muster zwischen Regionen

Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede: Kokain konzentriert sich vor allem in Städten in Belgien, den Niederlanden und Spanien, während synthetische Drogen besonders in Städten in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Skandinavien verbreitet sind. Zugleich verändert sich der Markt. Der Konsum von MDMA (Ecstasy) ging europaweit um rund 16 Prozent zurück, besonders deutlich in Deutschland, Österreich und Slowenien.

Auffällig ist zudem ein typisches Wochenendmuster: In mehr als drei Viertel der Städte steigen die Werte für Kokain und MDMA zwischen Freitag und Montag deutlich an. Ketamin folgt diesem Trend in etwa der Hälfte der Städte. Cannabis hingegen wird gleichmäßiger über die Woche konsumiert.

Berlin ist Teil der Untersuchung

An der Studie nahmen auch mehrere deutsche Städte teil, darunter Berlin und Frankfurt. Ein Ranking einzelner Städte veröffentlicht die EU-Drogenbehörde nicht. Die Daten zeigen jedoch klare Hotspots – vor allem in Belgien, den Niederlanden und Spanien. Zugleich spiegeln sich die allgemeinen Trends auch in Deutschland wider, mit vergleichsweise hohen Belastungen bei synthetischen Drogen und wachsendem Ketamin-Konsum.

„Illegaler Drogenkonsum wurde in nahezu allen Städten nachgewiesen“, erklärte EUDA-Direktorin Lorraine Nolan. Europa erlebe ein „weit verbreitetes und vielfältiges“ Konsummuster, das sich ständig verändere.

Cannabis bleibt die am häufigsten konsumierte Droge in Europa. Nach EUDA-Schätzungen haben rund 24 Millionen Menschen im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert – das entspricht gut acht Prozent der 14- bis 64-Jährigen.

Für die Untersuchung wurden im Frühjahr 2025 eine Woche lang täglich Abwasserproben analysiert. Insgesamt erfassten die Daten rund 72 Millionen Menschen. Die Methode gilt als wichtiger Indikator, um Veränderungen im Drogenkonsum frühzeitig zu erkennen.