Sicherheitsbedenken

EU stoppt Förderung für Solaranlagen mit chinesischer Schlüsseltechnik

Die EU-Kommission untersagt ab November die Förderung von Solar- und Windprojekten mit Wechselrichtern aus China, Iran oder Russland. Wer profitiert?

Photovoltaik-Freiflächenanlage in Deutschland. Schlüsseltechnik soll dafür nicht mehr aus China kommen.
Photovoltaik-Freiflächenanlage in Deutschland. Schlüsseltechnik soll dafür nicht mehr aus China kommen.Arnulf Hettrich/imago

Die Europäische Kommission untersagt ab dem 1. November europäischen Partnerbanken die Finanzierung von Erneuerbare-Energien-Projekten, in denen Netztechnik aus China, Iran oder Russland verbaut ist. Das geht aus einer Entscheidung der Kommissionsspitze vom April hervor, über die zunächst die South China Morning Post und nun das Portal Euractiv berichten.

Im Zentrum der Maßnahme stehen sogenannte Wechselrichter – Geräte, die Solaranlagen mit dem Stromnetz verbinden und steuern, wie viel Elektrizität eingespeist wird. Branchenvertreter bezeichnen sie als das „Gehirn“ einer Photovoltaikanlage. Würden Zehntausende dieser Geräte gleichzeitig manipuliert oder abgeschaltet, könnten nach Einschätzung der Kommission flächendeckende Stromausfälle drohen.

Diese Banken sind betroffen

Betroffen sind nach Angaben eines Kommissionsbeamten laut Euractiv vor allem die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), aber auch nationale Förderinstitute wie die deutsche KfW. Allein die EIB habe 2025 rund 20 Prozent des Solarausbaus in der EU mitfinanziert. Die Beschränkung gilt zudem für Projekte außerhalb der Union, sofern diese an das EU-Stromnetz angeschlossen sind, etwa in Marokko und auf dem Balkan.

Die Regelung erfasst nicht nur Photovoltaik, sondern auch Wechselrichter in Windkraftanlagen und Batteriespeichern, in denen chinesische Hersteller ähnlich dominante Marktanteile halten. Letztere seien „ausdrücklich einbezogen“, heißt es in einem internen Vermerk, aus dem Euractiv zitiert. Eine künftige Ausweitung auf weitere Komponenten von Solaranlagen sei möglich.

Diese Unternehmen könnten von der Regelung profitieren

Der Anteil chinesischer Wechselrichter – produziert vor allem von Huawei und Sungrow – an den europäischen Importen stieg laut einem Bericht von Loom Strategy zwischen 2018 und 2024 von 45 auf 61 Prozent.

Profitieren dürften europäische Anbieter wie Fronius aus Österreich und SMA aus Deutschland. Die Branchenvereinigung ESMC argumentiert, dass europäische Hersteller den Bedarf für den weiteren Solarausbau abdecken könnten.

Wechselrichter seien „ein strategisches Thema der wirtschaftlichen Sicherheit, sowohl unter Cybersicherheits- als auch unter industriepolitischen Gesichtspunkten“, erklärte ein EIB-Sprecher gegenüber Euractiv. Die Bank wolle gemeinsam mit der Kommission und Marktteilnehmern eine „widerstandsfähige und wettbewerbsfähige europäische Wechselrichterindustrie“ aufbauen.