Die Europäische Union und Ghana haben am Montag in Accra ein gemeinsames Sicherheits- und Verteidigungsabkommen unterzeichnet – das erste seiner Art zwischen der EU und einem afrikanischen Land. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Ghanas Vizepräsidentin Jane Naana Opoku-Agyemang, die als amtierende Präsidentin fungiert, setzten ihre Unterschriften unter das Dokument, wie der Europäische Auswärtige Dienst (EEAS) in einem Livestream aus Accra zeigte.
Das Abkommen deckt ein breites Spektrum sicherheitspolitischer Themen ab: Terrorismusbekämpfung, Krisenreaktion, maritime Sicherheit, Cyberbedrohungen sowie den Kampf gegen Desinformation und illegalen Bergbau, der in Ghana unter dem Namen „Galamsey“ bekannt ist. Auch Konfliktprävention und Mediation sind ausdrücklich Teil der Vereinbarung.
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— European External Action Service - EEAS 🇪🇺 (@eu_eeas) March 24, 2026
Kallas: Sicherheit in Europa und Afrika „zutiefst miteinander verbunden“
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vizepräsidentin Opoku-Agyemang in Accra bezeichnete Kallas Ghana als „friedlichen und demokratischen Anker in der Region“. Die Sicherheit Europas und Afrikas sei „zutiefst miteinander verbunden“, sagte die EU-Außenbeauftragte. Das Abkommen ermögliche eine engere Zusammenarbeit in Bereichen, „die für unsere Bürgerinnen und Bürger wichtig sind – sowohl in Europa als auch hier in Ghana“.
Kallas verwies auf die wachsende Instabilität in der Nachbarschaft Ghanas. Die EU unterstütze das ghanaische Militär im Norden des Landes und westafrikanische Staaten am Golf von Guinea bei der Terrorismusbekämpfung, der Grenzsicherung und der maritimen Sicherheit. Beide Seiten seien mit Kriegen in ihrer weiteren Nachbarschaft konfrontiert und hätten wiederholt zu Frieden in der Ukraine, im Sudan, in der Sahelzone und im Nahen Osten aufgerufen.
Kallas thematisierte auch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der eine „existenzielle Bedrohung für Europa“ darstelle, dessen Folgen aber auch in Ghana spürbar seien. Neben wirtschaftlichen Auswirkungen kritisierte sie die „unethische Rekrutierung afrikanischer Staatsangehöriger“ durch Russland, die wirtschaftliche Notlagen ausnutze. „Ihre Bürger sollten nicht in einen Krieg gelockt werden, der nicht der ihre ist“, sagte Kallas an die ghanaische Seite gerichtet.
Keine Truppen, keine Militärbasen
Beide Seiten betonten laut einem Bericht der Ghanaian Times bereits zuvor, dass die Partnerschaft weder die Stationierung europäischer Soldaten noch die Errichtung von Militärstützpunkten in Ghana vorsehe. Die nationale Souveränität Ghanas bleibe unangetastet, hieß es dem Bericht zufolge. Es handele sich um eine politische Verpflichtung zur engeren Zusammenarbeit, nicht um ein klassisches Militärbündnis.
Jonas Claes, stellvertretender Leiter der EU-Delegation in Ghana, hatte das Abkommen bereits Mitte März gegenüber der Ghanaian Times angekündigt. Er erklärte, das Abkommen selbst enthalte keine konkreten Finanzierungszusagen, schaffe aber die Grundlage für erweiterte Partnerschaften und zusätzliche Unterstützung bei Sicherheitsinitiativen.
Militärische Ausrüstung im Wert von 50 Millionen Euro bereits geliefert
Im Rahmen des Besuchs übergab Kallas zudem eine weitere Tranche nicht-letaler militärischer Ausrüstung an die ghanaischen Streitkräfte, darunter Drohnen, Drohnenabwehrsysteme und Motorräder.
Hintergrund des Abkommens ist die zunehmende Ausbreitung terroristischer Bedrohungen aus der Sahelzone in Richtung der westafrikanischen Küstenstaaten. Ghana gilt in der Region als Stabilitätsanker und wichtiger Vermittler, gerät aber zunehmend unter Druck.
Die EU verfolgt in der Region bereits seit längerem eine aktive Sicherheitspolitik. Die „EU Security and Defence Initiative in Support of West African Countries of the Gulf of Guinea“ (EU SDI GoG) kombiniert militärische und zivile Expertise, um die Küstenstaaten Côte d'Ivoire, Ghana, Togo und Benin bei der Stärkung ihrer Sicherheitskapazitäten zu unterstützen. Erst im Februar hatte die deutsche Komponente dieser Initiative ein zweiwöchiges Ausbildungsprogramm für 30 ghanaische Militärangehörige an der Army Combat Training School gestartet, bei dem es um Flussüberquerungsoperationen ging.
Wirtschaftliche Dimension der Partnerschaft
Sicherheit ist nur ein Pfeiler der Beziehungen. Die EU ist nach eigenen Angaben Ghanas größter Exportmarkt, wichtigster Investor und führender Entwicklungspartner. Von Infrastruktur über Bildung bis hin zu Arbeitsplätzen und nachhaltigem Wachstum reiche die Zusammenarbeit.
Abdel-Fatau Musah, Ecowas-Kommissar für politische Angelegenheiten, Frieden und Sicherheit, hatte bei einem Treffen in Accra Anfang März die Dringlichkeit kollektiven Handelns gegen Terrorismus, Bandenkriminalität, Cyberkriminalität und Wahlgewalt in der Region unterstrichen. Auch der deutsche Botschafter in Ghana, Frederik Landshoft, bekräftigte laut Ghanaian Times bei dieser Gelegenheit Deutschlands Engagement für Frieden und Stabilität in Westafrika.

