Meerenge

Erstes westeuropäisches Schiff passiert offenbar Straße von Hormus

Die französische CMA CGM Kribi durchquerte die strategische Meerenge wohl auf der iranischen Küstenroute. Parallel dazu ringt die internationale Gemeinschaft um eine Absicherung der Schifffahrt.

Ein Containerschiff vor der iranischen Küste. Ein französischer Tanker hat offenbar die Straße von Hormus durchquert.
Ein Containerschiff vor der iranischen Küste. Ein französischer Tanker hat offenbar die Straße von Hormus durchquert.Muravev Pavel/imago

Ein Containerschiff des französischen Reederei-Konzerns CMA CGM hat die Straße von Hormus passiert. Es handelt sich laut dem Nachrichtenportal Bloomberg um die erste bekannte Durchfahrt eines westeuropäischen Schiffes seit Beginn des Krieges gegen den Iran.

Die unter maltesischer Flagge fahrende CMA CGM Kribi verließ dem Bericht zufolge am Donnerstagnachmittag Ortszeit das Seegebiet vor Dubai in Richtung Iran, wie Schiffsverfolgungsdaten zeigen. Das Schiff signalisierte dabei offen seine französische Eigentümerschaft. Es hielt sich dicht an der iranischen Küste und passierte einen Kanal zwischen den Inseln Qeshm und Larak. Am Freitagmorgen befand es sich Bloomberg zufolge bereits vor Maskat im Oman. Zwei mit der Situation vertraute Personen bestätigten die Durchfahrt gegenüber der Nachrichtenagentur.

Die CMA CGM Kribi kann rund 5000 Standardcontainer (TEU) transportieren. Tiefgangsanzeigen deuten dem Bericht zufolge darauf hin, dass das Schiff voll beladen ist. CMA CGM hatte zuvor erklärt, dass 14 seiner Schiffe im Persischen Golf festsitzen und die Meerenge nicht passieren können.

Iran blockiert Durchfahrt seit Kriegsausbruch

Seit dem Beginn der US-israelischen Militärschläge gegen den Iran Ende Februar ist der Schiffsverkehr durch die strategisch zentrale Meerenge nahezu zusammengebrochen. Laut dem Analyseunternehmen Kpler haben seit Anfang März nur 225 Frachtschiffe die Straße von Hormus passiert – ein Rückgang von 93 Prozent gegenüber der Zeit vor dem Krieg. Normalerweise wird etwa ein Fünftel des weltweiten Rohöls und Flüssigerdgases durch diese Passage transportiert.

Wie Bloomberg berichtet, hat sich ein System herausgebildet, bei dem der Iran Durchfahrten vorab genehmigt – entlang einer Route nahe der iranischen Küste. Pakistan etwa hat eine Vereinbarung für 20 Schiffe unter seiner Flagge erreicht, auch andere asiatische Staaten haben sichere Passage ausgehandelt. Der Iran unternimmt laut Bloomberg zudem Schritte, um langfristig ein Mautsystem für die Meerenge zu etablieren – was die arabischen Golfstaaten alarmiert, die auf die Wasserstraße für ihre Exporte angewiesen sind.

Weder CMA CGM noch das französische Außenministerium wollten sich gegenüber Bloomberg zu der Durchfahrt äußern. Das französische Finanzministerium reagierte nicht auf eine Anfrage.

Diplomatisches Ringen im UN-Sicherheitsrat

Parallel zur langsamen Wiederaufnahme einzelner Durchfahrten ringt die internationale Gemeinschaft um eine politische Lösung. Im UN-Sicherheitsrat wurde eine Abstimmung über eine Resolution zum Schutz der internationalen Schifffahrt kurzfristig verschoben. Bahrain hatte im Namen der Golfstaaten einen Entwurf eingebracht, der den Einsatz „aller notwendigen defensiven Mittel“ zum Schutz der kommerziellen Schifffahrt für mindestens sechs Monate autorisieren sollte. Die USA und Großbritannien unterstützen den Vorstoß.

Drei der fünf Vetomächte stellten sich jedoch dagegen. Chinas UN-Botschafter Fu Cong erklärte, eine Autorisierung von Gewalt käme einer „Legitimierung des rechtswidrigen und wahllosen Einsatzes von Gewalt gleich“. Russland lehnte den Entwurf als einseitig ab.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete einen Militäreinsatz zur Öffnung der Meerenge als „unrealistisch“, erklärte aber am Freitag bei einem Besuch in Südkorea, Frankreich werde sich für eine Stabilisierung der Lage in Hormus einsetzen, „sobald die Bombardierungen aufgehört haben“.

US-Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch an, die Angriffe fortzusetzen, legte aber keinen Plan zur Wiedereröffnung der Wasserstraße vor. Die Ölpreise stiegen weiter. Großbritannien lud am Donnerstag Vertreter von mehr als 40 Staaten zu Beratungen über die Sicherung der Passage ein – die USA nahmen nicht teil.


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