Kriminalität

Ermittler: Rekordzahl an Betrugsfällen verursacht 45 Milliarden Euro Schaden in der EU

Die Europäische Staatsanwaltschaft verzeichnet einen sprunghaften Anstieg von Betrugsverfahren. Dabei spielen laut der Behörde auch chinesische Netzwerke und der Missbrauch von Corona-Geldern eine Rolle.

Die Handelshäfen Europas sind ein Aktionsfeld chinesischer krimineller Netzwerke.
Die Handelshäfen Europas sind ein Aktionsfeld chinesischer krimineller Netzwerke.Arnulf Hettrich/Imago

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) hat Ende 2025 so viele aktive Betrugsverfahren bearbeitet wie nie zuvor. Laut dem in Luxemburg veröffentlichten Jahresbericht liegt der geschätzte Gesamtschaden bei 67,27 Milliarden Euro – fast dreimal so hoch wie im Vorjahr (24,8 Milliarden Euro). Insgesamt führte die Behörde 3602 aktive Ermittlungen, ein Anstieg von 35 Prozent gegenüber 2024.

Zwei Drittel des geschätzten Schadens – rund 45 Milliarden Euro – entfallen laut der Mitteilung auf Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug. Chefanklägerin Laura Kövesi sprach von einer „kriminellen Industrie, die viel zu lange ignoriert oder toleriert wurde“. In Deutschland wurden dem Bericht zufolge 361 Fälle untersucht, der geschätzte Schaden beträgt dort knapp 5,8 Milliarden Euro. Der Großteil entfalle auch hierzulande auf Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug, so die Behörde.

Corona-Hilfsgelder als Betrugsquelle

Besondere Sorgen bereitet den Ermittlern der Missbrauch von Corona-Hilfsgeldern. Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, stieg die Zahl der Fälle im Zusammenhang mit der sogenannten Aufbau- und Resilienzfazilität – dem Kernstück des 750 Milliarden Euro schweren Hilfsfonds „NextGenerationEU“ – um 66,7 Prozent auf 512 aktive Verfahren. Da bis Dezember 2026 weitere hohe Auszahlungen erwartet werden, bleibe das Risiko für Betrug und Korruption hoch, teilte die EUStA mit.

Bericht: Chinesische kriminelle Netzwerke unterwandern Häfen

Zudem stellte die Behörde nach eigenen Angaben ein „alarmierend hohes Maß“ an organisierter Kriminalität beim Import von Waren aus Nicht-EU-Ländern fest. Besonders hervorgehoben wird im Bericht laut dpa die Rolle chinesischer Netzwerke: Sie seien in großen europäischen Handelshäfen stark präsent und versuchten, Zollverfahren zu kontrollieren. Über Scheinfirmen werde der tatsächliche Bestimmungsort von Waren verschleiert und die Umsatzsteuer umgangen.

Die Verurteilungsquote in EUStA-Verfahren liegt laut der Mitteilung bei nahezu 95 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden 275 Anklagen erhoben, 34 Prozent mehr als 2024. Gerichte ordneten Vermögenssicherungen in Höhe von 1,13 Milliarden Euro an.

Die Behörde verarbeitete knapp 7000 Meldungen, wobei der Großteil von Privatpersonen stammte. „Leider werden diese Zahlen in den kommenden Jahren weiter steigen“, warnte die EUStA. Die Zahl der Hinweise von EU-Institutionen blieb mit 143 auffällig gering.