Rassismus

Studie: Über neun Millionen Erwachsene erleben Diskriminierung in Deutschland

Rund neun Millionen Erwachsene berichten von Benachteiligung. Das Risiko ist dabei ungleich verteilt. Wie gehen die Betroffenen mit Diskriminierung um?

Diskriminierung ist im Alltag weit verbreitet und hat starke Auswirkungen auf die Gesundheit Betroffener.
Diskriminierung ist im Alltag weit verbreitet und hat starke Auswirkungen auf die Gesundheit Betroffener.Hannes P Albert / dpa

Diskriminierungen auf Grund von Hautfarbe oder sexueller Orientierung sind leider in Deutschland keine Seltenheit. 13,1 Prozent der Menschen in Deutschland gaben in einer Umfrage an, innerhalb von zwölf Monaten diskriminiert worden zu sein. Das geht aus einer Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hervor.

Das SOEP ist eine beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung angesiedelte Langzeitbefragung mit jährlich rund 30.000 Teilnehmenden. Sie gilt als eine der zuverlässigsten sozialwissenschaftlichen Datenquellen des Landes.

Wobei das mit Abstand häufigste Diskriminierungsmerkmal die ethnische Herkunft der Betroffenen ist. Betroffene berichten auch von besonderer Benachteiligungen im öffentlichen Raum – vor allem auf der Straße (41,5 Prozent), beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen wie Geschäften, Restaurants oder Banken (40,7 Prozent) sowie im Arbeitsleben (39,2 Prozent). Innerhalb staatlicher Strukturen scheint es deutlich weniger Diskriminierung zu geben. So geben nur etwas über elf Prozent der Betroffenen an, in der Schule oder auf Ämtern diskriminiert worden zu sein.

Hauptrisikofaktoren: Jung, arm und weiblich

Das Risiko ist nicht über alle gesellschaftlichen Gruppen gleich verteilt. Besonders groß ist die Erfahrung von Diskriminierung bei jungen und armen Menschen. So gaben fast doppelt so viele Menschen Sozialhilfeempfänger an, Benachteiligung erfahren zu haben, als im Durchschnitt.

Auch zwischen den Geschlechtern ist das Risiko, diskriminiert zu werden, ungleich verteilt. Insbesondere bei jungen Frauen unter 29 Jahren berichtet fast ein Drittel, solche Erfahrungen gemacht zu haben.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen unternimmt nichts

56 Prozent der Diskriminierten gaben an, keine Schritte gegen die Benachteiligung unternommen zu haben. Knapp 30 Prozent sprachen die verantwortliche Person oder Stelle an. Nur 2,6 Prozent leiteten rechtliche Schritte ein. Besonders selten wehren sich jüngere Menschen juristisch.

Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, nannte die Ergebnisse eine „Belastungsprobe für unser Land“. Eine Gesellschaft, in der sich Millionen Menschen als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse fühlten, sei „instabil und anfällig", sagte Ataman.

Die Studie zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und schlechterer Gesundheit, geringerer Lebenszufriedenheit sowie sinkendem Vertrauen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bei der Einordnung der Daten ist zu beachten, dass der Befragungszeitraum zwischen Mai 2021 und Januar 2023 lag und damit teilweise in die Corona-Pandemie fiel, was die Angaben beeinflusst haben dürfte. (mit dpa)