Russischer Oppositioneller

Nawalny mit Nervengift getötet: Deutschland und weitere Länder beschuldigen Russland

Mehrere europäische Länder beschuldigen Russland, für den Tod des Oppositionellen Alexej Nawalny verantwortlich zu sein. Er sei mit starkem Nervengift getötet worden.

Alexej Nawalny im Jahr 2020
Alexej Nawalny im Jahr 2020Pavel Golovkin/AP/dpa

Der vor zwei Jahren in russischer Haft gestorbene Alexej Nawalny ist mit einem starken Nervengift getötet worden, haben mehrere europäische Länder am Samstag unter Berufung auf Laboranalysen erklärt. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen aus Großbritannien, Schweden und den Niederlanden beschuldigten Russland, den Kremlkritiker umgebracht zu haben.

Die Außenminister erklärten einem AP-Bericht zufolge, Analysen von Proben des vor zwei Jahren verstorbenen Nawalny hätten „das Vorhandensein von Epibatidin eindeutig bestätigt“, eines Giftes, das in Pfeilgiftfröschen in Südamerika vorkommt.

Wadephul: Russland hatte Motiv für Vergiftung

Aus der Sicht der beteiligten Länder verfüge „nur der russische Staat über die kombinierten Mittel, das Motiv und die Missachtung des Völkerrechts“, um dies durchzuführen. Die britische Außenministerin Yvette Cooper sagte laut BBC, Russland habe in Nawalny „eine Bedrohung“ gesehen. Der zu dem Zeitpunkt 47 Jahre alte Nawalny war 2024 in einem russischen Straflager verstorben.

Wadephul sagte, das gefundene Gift lähme die Atemmuskulatur. „Die Opfer ersticken qualvoll“, so der Außenminister. „Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen.“ Weitere Details zu den Analysen, etwa wo und wie sie durchgeführt wurden, waren zunächst nicht bekannt.

Tod von Nawalny: Russland wies vergangene Vorwürfe zurück

Auch Julia Nawalnaja, die Witwe des russischen Oppositonellen, erschien laut einem Bericht von Sky News am Rande der Sicherheitskonferenz in München auf einer Pressekonferenz, bei der die Ergebnisse vorgestellt wurden. Sie wurde dabei von den Außenministern Großbritanniens, Deutschlands, Schwedens und der Niederlande flankiert, die mit Frankreich zusammenarbeiten, um den Tod Nawalnys aufzuklären.

Nawalnaja hatte bereits im vergangenen Jahr im Onlinedienst X erklärt, ihr Ehemann sei vergiftet worden. Zu diesem Schluss seien Labore in zwei verschiedenen Ländern gekommen, die unabhängig voneinander Untersuchungen durchgeführt hätten, hieß es. Nawalnaja hat Moskau wiederholt für Nawalnys Tod verantwortlich gemacht, was Russland mehrfach zurückgewiesen hat. Russische Behörden erklärten, Nawalny sei bei einem Hofgang plötzlich zusammengebrochen und gestorben.(mit dpa)