Landwirtschaft

Deutsche Erdbeeren und Spargel bald zu teuer? Ernte fällt historisch niedrig aus

Im vergangenen Jahr wurden so wenig Spargel und Erdbeeren geerntet wie seit langem nicht. Was für viele Deutsche Teil des Frühjahrs ist, könnte bald zum Luxusgut werden.

Die deutsche Erdbeerernte war 2025 so niedrig wie seit 30 Jahren nicht.
Die deutsche Erdbeerernte war 2025 so niedrig wie seit 30 Jahren nicht.Sebastian Kahnert/dpa

Erdbeeren und Spargel von heimischen Feldern könnten in Zukunft zu teuer werden für die Verbraucher in Deutschland. Grund für die voraussichtlichen Preissteigerung ist zum einen die niedrige Ernte sowie die hohen Kosten für die Landwirte. Sowohl bei Erdbeeren als auch beim Spargel sind im Freiland Mini-Ernten eingefahren worden, teilte das Statistische Bundesamt auf Grundlage erster Schätzungen mit.

Dabei zeichnet sich vor allem bei den Erdbeeren mit 75.500 Tonnen die geringste Ernte seit 30 Jahren ab. Es sind den Angaben zufolge vier Prozent weniger als im Vorjahr. Ähnlich sieht es beim Freiland-Spargel aus: 98.900 Tonnen bedeuten den geringsten Wert seit 2010. Dabei entfielen in der Region Berlin-Brandenburg nach Angaben des regionalen Statistikamts etwa 640 Tonnen Erdbeeren auf rund 118 Hektar. Es sei davon auszugehen, dass es die geringste Ernte seit 1991 werde, hieß es weiter. Beim Spargel wurden demnach 18.700 Tonnen eingefahren - 1.500 Tonnen weniger als 2024.

Die reduzierte Ernte geht auch auf die Entscheidung der Landwirte zurück, die Anbauflächen zu reduzieren. Vier Prozent weniger Acker für Erdbeeren und sechs Prozent weniger für Spargel liegen im langfristigen Schrumpf-Trend. Der deutsche Selbstversorgungsgrad bei den Erdbeeren ist der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) zufolge seit 2015 von 68 Prozent auf 50 Prozent gesunken.

Fast zehn Euro für deutschen Spargel

Spargel und Erdbeeren gehören für viele Menschen in Deutschland zum Frühjahr dazu, werden aber immer mehr zum Luxusgut. Nach den Erhebungen der AMI mussten private Verbraucher in dieser Saison für weißen deutschen Spargel im Schnitt 9,63 Euro zahlen, rund 4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Kilogramm heimischer Erdbeeren kostete in der Hauptsaison zwischen Mai bis Mitte Juli mit 6,86 Euro nur geringfügig mehr als ein Jahr zuvor (6,83 Euro). Doch der Vergleich zu 2015 zeigt einen Preisanstieg von rund 70 Prozent.

Hessens Bauernpräsident Karsten Schmal weist auf das hohe unternehmerische Risiko hin, wenn die Bauern bei Spargel und Erdbeeren in hohe Vorleistungen gehen müssen, aber nicht zuletzt stark von der Witterung abhängig sind. „Am Ende des Tages sind wir alle Unternehmer. Auch die Spargel- und Erdbeerbauern müssen von dem leben können, was sie tun. Und wenn das Risiko am Ende nicht mehr übersehbar ist, baut man diese Kulturen nicht mehr an.“

Bauernverband beklagt Anstieg des Mindestlohns

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, prangert den gesetzlichen Mindestlohn an, der von aktuell 12,82 Euro auf zunächst 13,90 Euro im nächsten Jahr und ab 2027 auf 14,60 Euro steigen soll. Rukwied sagt: „Wenn der Mindestlohn noch weiter steigt, dann können wir schlichtweg im Wettbewerb nicht mehr mithalten.“ Die geforderte Ausnahme für landwirtschaftliche Betriebe mit einer Absenkung des Mindestlohns für Saisonkräfte auf 80 Prozent hat die Bundesregierung abgelehnt.

Die Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt wirft den Bauern überzogene Kritik vor: Der prophezeite Untergang der deutschen Wirtschaft sei schon nach der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 ausgeblieben, merkt Vorstandsmitglied Christian Beck an. Zudem sei in der Landwirtschaft der Selbstversorgungsgrad für Obst und Gemüse in den vergangenen zehn Jahren stabil geblieben. Beck weist auf den Mindestlohn in den Niederlanden mit 14,40 Euro hin. „Auch dort wirtschaften die Betriebe profitabel und exportieren Obst nach Deutschland.“