Wirtschaft

Deutsche Bahn: Gefeuerte Manager kassieren Millionen-Abfindungen

Das Bahnunternehmen kämpft mit massiven Problemen. Geschasste Vorstände kassieren trotz Krise und Sparkurs.

Die Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin.
Die Zentrale der Deutschen Bahn in Berlin.Fabian Sommer/dpa

Vier im vergangenen Jahr entlassene Vorstandsmitglieder der Deutschen Bahn haben Abfindungen in Höhe von mehreren Millionen Euro erhalten, wie die Bild berichtet. Die üppigen Zahlungen stehen in scharfem Kontrast zur aktuellen Lage des Staatskonzerns, der mit unpünktlichen Zügen, einem maroden Schienennetz und massiven finanziellen Verlusten kämpft.

Den größten Anteil kassiert demnach der frühere Vorstandsvorsitzende Richard Lutz. Der 61-Jährige, der im Herbst 2025 nach Jahren an der Spitze des kriselnden Unternehmens seinen Posten räumen musste, erhält laut dem Bericht 3,4 Millionen Euro. An zweiter Stelle steht Daniela Gerd tom Markotten, die zuvor den Digitalbereich der Bahn verantwortete. Ihr Ressort wurde im Zuge von Sparmaßnahmen vollständig aufgelöst – sie bekommt 2,9 Millionen Euro. Die ehemalige Cargo-Chefin Sigrid Nikutta, unter deren Leitung die Güterverkehrssparte hohe Verluste verzeichnete, erhält rund 2,5 Millionen Euro. Dieselbe Summe fließt an den früheren Infrastruktur-Vorstand Berthold Huber, dem es nicht gelang, die Sanierung des Schienennetzes voranzutreiben.

Laufende Verträge als rechtliche Grundlage für die Millionenzahlungen

Die hohen Summen haben einen juristischen Hintergrund: Die Verträge der entlassenen Manager liefen teilweise noch bis 2027. Bei vorzeitiger Auflösung steht den Betroffenen gesetzlich eine Entschädigung zu, die bis zu zwei Jahresgehälter umfassen kann. Ein Bahnsprecher wollte sich zu den einzelnen Personalangelegenheiten nicht äußern und verwies auf den Geschäftsbericht 2025, der Ende März veröffentlicht werden soll.

Für Steuerzahler dürften die Zahlungen schwer nachvollziehbar sein. Die neue Konzernchefin Evelyn Palla hat einen strikten Sparkurs angekündigt und will jedes dritte Büro im Management streichen. Gleichzeitig belasten die Millionenzahlungen an die ehemaligen Führungskräfte die ohnehin angespannte Bilanz des Konzerns zusätzlich.

Finanzchefin nach nur drei Monaten entlassen – Abfindung steht trotzdem an

Ein besonders auffälliger Fall ist der von Karin Dohm. Die Finanzchefin trat ihren Posten bei der Deutschen Bahn erst im Januar 2026 an, musste jedoch bereits im März wieder gehen. Als Grund wird genannt, dass das Verhältnis zum restlichen Vorstand nach nur drei Monaten als „völlig zerrüttet" galt. Trotz der extrem kurzen Amtszeit dürfte auch Dohm eine erhebliche Entschädigung erhalten, da ihr Vertrag ursprünglich auf mehrere Jahre angelegt war. Branchenkenner halten es für möglich, dass dies einer der ungewöhnlichsten Abfindungsfälle in der Geschichte der Deutschen Bahn werden könnte.