Auf dem Hamburger Rathausmarkt haben sich am Donnerstagabend bis zu 22.000 Menschen versammelt, um gegen sexualisierte Gewalt zu demonstrieren. Die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes, deren Fall die Proteste ausgelöst hatte, erschien überraschend selbst auf der Bühne – obwohl sie wegen Morddrohungen eigentlich nicht kommen wollte.
„Ich stehe hier mit schusssicherer Weste unter Polizeischutz, weil Männer mich killen wollen", sagte Fernandes mit tränenerstickter Stimme vor den Demonstrierenden. Trotz der Bedrohungslage hatte sie sich entschieden, an der Kundgebung teilzunehmen. Unter lautem Applaus rief sie den Anwesenden zu: „Lasst uns alle zusammen die Mauern des Schweigens einreißen."
Die Veranstaltenden bezifferten die Zahl der Teilnehmenden auf 22.000, die Polizei sprach von rund 17.000 Demonstrierenden. Auslöser der Kundgebung war der kürzlich bekannt gewordene Fall der Moderatorin, in dem es um sexualisierte Gewalt geht.
Teilnehmende berichten von Wut und Betroffenheit
Unter den Demonstranden herrschten Wut und Betroffenheit darüber, dass Gewalt gegen Frauen nach wie vor ein derart großes Problem darstellt – und sich daran aus Sicht vieler Anwesender nie etwas gebessert habe. „Es gibt keine Frau, die noch keine Gewalterfahrung gemacht hat", sagten mehrere Teilnehmer und verwiesen darauf, dass das Patriarchat immer noch viel zu mächtig sei. Gewalt müsse dabei nicht immer körperlich sein, betonten sie – auch psychische und verbale Gewalt seien weit verbreitet.
Auch zahlreiche Männer nahmen an der Kundgebung teil. Ihnen sei es wichtig gewesen, sich mit den Frauen zu solidarisieren, sagten sie. Einige sprachen offen von ihrer Scham angesichts der jüngsten Fälle und wollten ein Zeichen setzen, dass der Kampf gegen sexualisierte Gewalt nicht allein Sache der Betroffenen sei.


