Handel

Dank Carney: China setzt Strafzölle auf kanadische Agrarprodukte teilweise aus

Nach dem Besuch von Premierminister Carney in Peking lockert China Strafzölle auf kanadische Agrarprodukte. Beim wichtigsten Exportgut Rapssaat lässt Peking Ottawa weiter zappeln.

Kanadas Premier Mark Carney möchte die Abhängigkeit von den USA verringern.
Kanadas Premier Mark Carney möchte die Abhängigkeit von den USA verringern.Nathan Denette/Imago

China hat angekündigt, einen Teil der Strafzölle auf kanadische Agrarprodukte ab dem 1. März auszusetzen. Wie das chinesische Finanzministerium laut der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag mitteilte, werden die 100-Prozent-Zölle auf kanadisches Rapsschrot und auf Erbsen sowie die 25-Prozent-Zölle auf Hummer und Krabben bis Ende 2026 ausgesetzt.

Die Maßnahme folgt auf den Besuch von Premierminister Mark Carney in Peking im Januar, bei dem beide Seiten eine erste Einigung erzielt hatten.

Ottawa und Peking tauschen Zugeständnisse

Allerdings fehlt in der chinesischen Erklärung ein zentraler Punkt: Rapssaat. Kanadas wichtigstes Agrarexportgut nach China wird nicht einmal erwähnt. Ottawa hatte laut Reuters erwartet, dass Peking die Zölle auf Rapssaat von derzeit 84 Prozent auf rund 15 Prozent senken würde. Eine laufende Untersuchung des chinesischen Handelsministeriums zu kanadischem Raps soll erst am 9. März abgeschlossen werden.

Evan Rogers Pay, Direktor der Pekinger Beratungsfirma Trivium China, zeigte sich gegenüber Reuters dennoch zuversichtlich: Chinesische Käufer hätten bereits kanadische Rapslieferungen für März gebucht, was auf eine bevorstehende Zollsenkung hindeute. Auch zu Rapsöl und Schweinefleisch machte Peking bislang keine Angaben – weitere Anpassungen bis zum 1. März seien aber möglich.

Die Annäherung ist Teil eines Kurswechsels: Wie das kanadische Außenministerium mitteilte, vereinbarten beide Länder einen gemeinsamen „Wirtschafts- und Handels-Kooperations-Fahrplan“ sowie eine Stärkung der bilateralen Handelskommission JETC. Dieses Gremium soll künftig als zentrale Plattform für den Dialog und die Lösung von Handelsstreitigkeiten dienen.

Carney sagte China im Gegenzug zu, bis zu 49.000 chinesische Elektrofahrzeuge zu einem Meistbegünstigungszoll von 6,1 Prozent ins Land zu lassen. Kanada unterstützt zudem den chinesischen Vorsitz der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft APEC 2026, China wiederum den kanadischen Gastgebervorsitz 2029.

Carney geht weiter als europäische Partner

Die Entspannung fällt laut Reuters in eine Phase, in der westliche Staats- und Regierungschefs verstärkt Peking besuchen, während die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump traditionelle Bündnisse belastet. China positioniert sich dabei als verlässlichere wirtschaftliche Alternative.

Carney ging mit seinem Abkommen weiter als seine europäischen Amtskollegen und signalisierte den Anspruch Kanadas, in einer neuen globalen Handelsordnung jenseits der Abhängigkeit von den USA eine führende Rolle zu spielen.