Generalbundesanwalt

Kalenderdaten und Mails von Merz erbeutet: Spionageverdacht nach Cyberattacke auf CDU

Im Fall der massiven Cyberattacke auf die CDU im vergangenen Juni gibt es eine neue Entwicklung. Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen. Was das bedeutet.

Von Friedrich Merz (CDU) wurden Kalenderdaten und E-Mails bei dem Cybernagriff erbeutet.
Von Friedrich Merz (CDU) wurden Kalenderdaten und E-Mails bei dem Cybernagriff erbeutet.dts Nachrichtenagentur/imago

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen zur Cyberattacke auf die CDU von Juni 2024 übernommen. Wie ein Sprecher der Karlsruher Behörde der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag auf Anfrage sagte, geht es um den Verdacht der Spionage.

Zuerst hatten nach der Cyberattacke im Frühling 2024 die Behörden in Nordrhein-Westfalen ermittelt, wo der angegriffene Dienstleister saß.

Merz: „Schwerste Angriff auf eine IT-Struktur“ von Partei jemals

Die Attacke machte Anfang Juni 2024, kurz vor der Europawahl, das Bundesinnenministerium bekannt. Demnach waren das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und das Bundesamt für Verfassungsschutz „intensiv damit befasst, den Angriff abzuwehren“.

Die Täter hatten Daten aus dem Kalender vom CDU-Parteichef Friedrich Merz (CDU) erbeutet, auch E-Mails von Merz im großen Umfang wurden gestohlen. Auch die zentrale Mitgliederdatei war betroffen. Zeitweise musste die CDU ihre zentrale Mitgliederdatei abschalten. Es bestand die Befürchtung, dass Daten der 363.000 Mitglieder in die Hände ausländischer Spione gelangen könnten. Im Konrad-Adenauer-Haus wurden die Server vorsorglich heruntergefahren. CDU-Politiker erhielten nach der Cyberattacke verstärkt Phishing-E-Mails, wodurch sich Cyberkriminelle Zugang zur Cloud der Bundes-CDU sowie der Union Betriebs GmbH verschaffen wollten.

Der Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte nun, dass es um den Verdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit gehe. Weitere Einzelheiten gab die Behörde nicht bekannt.

Bundeskanzler Friedrich Merz, damals noch Oppositionsführer im Bundestag, selbst sagte zu der Cyberattacke, es sei „der schwerste Angriff auf eine IT-Struktur, die jemals eine politische Partei in Deutschland erlebt hat“. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte damals, dass die Art des Vorgehens „auf einen sehr professionellen Akteur“ hindeute. Wer genau hinter der Cyberattacke stecken soll, ist jedoch völlig unklar.  (mit dpa)