Politik

CSU-Vorhaben zur Hymnenpflicht: Erziehungsgewerkschaft spricht von „Schnapsidee“

Markus Söder und die CSU wollen, dass drei Hymnen bei Abschlussfeiern in Bayern gespielt werden. Das ruft Kritiker auf den Plan.

Geht es nach den Willen von Markus Söder und der CSU soll bei Schulabschlüssen in Bayern bald eine Hymnenpflicht gelten.
Geht es nach den Willen von Markus Söder und der CSU soll bei Schulabschlüssen in Bayern bald eine Hymnenpflicht gelten.Pia Bayer

Markus Söder von der CSU drängt auf eine schnelle Umsetzung der von seiner Partei geforderten Hymnenpflicht bei Schulabschlüssen in Bayern. Bereits zum Ende des laufenden Schuljahres sollen die Nationalhymne, die Europahymne und die Bayernhymne bei Abschlussfeiern gespielt oder gesungen werden, kündigte der bayerische Ministerpräsident an, wie RND berichtet.

Die CSU hatte den Vorstoß auf ihrem Parteitag im Dezember einstimmig beschlossen. Ursprünglich kam die Forderung von der Jungen Union, die das Singen der Hymnen bei gesellschaftlichen Anlässen wie Schul- und Berufsabschlüssen deutschlandweit verpflichtend machen will. „Das ist ja nun wirklich kein echter, großer Akt", sagte Söder. Was bei Fußballspielen kein Problem sei, könne in der Schule nicht falsch sein.

CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek stellte eine unbürokratische Umsetzung in Aussicht. Diese sei ohne Gesetzesänderung über ein Schreiben des Kultusministeriums möglich.

Gewerkschaft kritisiert Vorstoß scharf

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Bayern reagierte mit deutlicher Kritik. „Offensichtlich haben sie in letzter Zeit zu häufig das aktuelle Lied ‚Wackelkontakt' von Oimara gehört", sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Florian Kohl. Anders könne er sich die „Schnapsidee", Schulen Gesangsvorschriften zu machen, nicht erklären. Die CSU-Granden könnten bei ihren Parteiveranstaltungen gerne singen.

Auch die Landesvorsitzenden des Philologenverbands und des Verbands der Lehrkräfte an beruflichen Schulen, Michael Schwägerl und Pankraz Männlein, äußerten Bedenken. „Teambuilding passiert jedoch nach unserer Erfahrung nicht auf Knopfdruck durch ein punktuelles Ereignis am Ende der Schullaufbahn."

Bayerns Kultusministerin Anna Stolz von den Freien Wählern nahm eine vermittelnde Position ein. Es sei zwar sinnvoll, dass sich Schüler mit gesellschaftlichen Werten auseinandersetzten. Entscheidend sei aber nicht das verpflichtende Singen zu bestimmten Anlässen, sondern dass die jungen Leute die Werte verstünden und verinnerlichten.

Bisher dürfen Schulen in Bayern selbst entscheiden, ob bei festlichen Anlässen Hymnen gespielt werden. „Davon wird reichlich Gebrauch gemacht, und das ist auch immer ein besonderer Gänsehautmoment", sagte Stolz.