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Chinas Handelsüberschuss auf Rekordhoch: 1,19 Billionen Dollar – IWF schlägt Alarm

Trotz US-Zöllen steigen Exporte weiter. Schwache Importe verstärken das Ungleichgewicht. Selbst der IWF warnt nun vor Folgen.

Frachter laden und löschen Containerladungen in Shandong, China.
Frachter laden und löschen Containerladungen in Shandong, China.IMAGO/CFOTO

China verzeichnete im vergangenen Jahr den größten Handelsüberschuss in der Geschichte der Weltwirtschaft. Nach Angaben der chinesischen Zollbehörde belief sich der Überschuss auf 1,19 Billionen US-Dollar – ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber 2024.

Der Überschuss, also die Differenz zwischen exportierten und importierten Waren und Dienstleistungen, wächst weiter: Allein im Dezember lag er bei 114,14 Milliarden USDollar, dem dritthöchsten Monatswert aller Zeiten.

Trump machtlos

Die Rekordmarke wurde erreicht, obwohl US-Präsident Donald Trump mit Zöllen versuchte, die chinesische Industrie einzudämmen. Zwar sank Chinas Handelsüberschuss mit den USA, doch chinesische Unternehmen steigerten ihre Verkäufe in andere Regionen.

Dabei umgehen sie US-Zölle häufig, indem sie Waren über Südostasien und andere Länder in die Vereinigten Staaten liefern.

Chinesische Industriepolitik

Mehrere Faktoren treiben den Überschuss: Die chinesische Regierung verfolgt eine Industriepolitik, die Importe durch inländische Produktion ersetzen soll. Im Oktober bekräftigte Peking diese Ziele zur nationalen Selbstversorgung in seinem Fünfjahresplan bis 2030.

Gleichzeitig ist die Kaufkraft vieler chinesischer Haushalte geschwächt. Der Immobilienmarkt brach seit 2021 ein und vernichtete die Ersparnisse zahlreicher Familien, die in Immobilien investiert hatten.

Schwacher Renminbi

Ein schwacher Renminbi macht chinesische Waren im Ausland günstiger und Importe teurer. Die Regierung ließ die Währung während der Corona-Pandemie deutlich abwerten und hat sie seitdem kaum erholt. Zudem leidet China unter Deflation – einem breiten Preisverfall aufgrund von Überkapazitäten in der Industrie bei gleichzeitig schwacher Binnennachfrage.

Der chinesische Handelsüberschuss übersteigt frühere Rekorde bei weitem: Japans Höchstwert von 1993 entspräche inflationsbereinigt heute 214 Milliarden Dollar, Deutschlands Spitzenwert von 2017 etwa 364 Milliarden Dollar.

IWF warnt vor Abhängigkeit vom Exportwachstum

Kristalina Georgieva, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, mahnte bei einer Pressekonferenz in Peking im vergangenen Monat, China solle seine Währung aufwerten und stärker auf den heimischen Konsum setzen.

„Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist China schlicht zu groß, um viel Wachstum aus Exporten zu generieren. Eine weitere Abhängigkeit von exportgetriebenem Wachstum droht, globale Handelsspannungen zu verschärfen", zitiert die New York Times Georgieva.

Der Handelsüberschuss bei Industriegütern macht mittlerweile mehr als ein Zehntel der gesamten chinesischen Wirtschaftsleistung aus. Während dies Millionen Arbeitsplätze in China sichert, führt es in anderen Ländern zu Fabrikschließungen und Entlassungen. Die Europäische Union sowie größere Schwellenländer wie Indonesien und Indien haben gezielte Zölle auf bestimmte chinesische Produktkategorien eingeführt, jedoch keine so umfassenden Maßnahmen wie die USA.

Besonders stark wachsen Chinas Exporte nach Südostasien und Afrika. Dort montieren viele Unternehmen, darunter Tochtergesellschaften chinesischer Firmen, Komponenten aus China und versenden die fertigen Produkte anschließend in die USA. China hat seit 1993 kein Handelsdefizit mehr verzeichnet.