Wirtschaft

China verschärft Düngemittel-Exportstopps – Chance für deutsche Hersteller?

Der Krieg im Nahen Osten wirkt sich auch auf die Agrarbranche aus. China nimmt sein Düngemittel vom Weltmarkt – was sind die Auswirkungen?

Der Düngemitteltransport aus China soll bis August ausgesetzt bleiben.
Der Düngemitteltransport aus China soll bis August ausgesetzt bleiben.stringer/Avalon/imago

China hat seine Düngemittel-Exporte nahezu vollständig gestoppt und entzieht dem ohnehin angespannten Weltmarkt damit erhebliche Mengen. Wie Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, hat Peking Exporteure angewiesen, Lieferungen von Stickstoff-Kalium-Mischungen und bestimmten Phosphatdüngern einzustellen und bestehende Beschränkungen für Harnstoff (Urea) bekräftigt.

Damit sind laut Reuters zwischen der Hälfte und drei Vierteln der chinesischen Düngemittelausfuhren blockiert – potenziell bis zu 40 Millionen Tonnen. Einzig Ammoniumsulfat, das laut Bloomberg rund die Hälfte der chinesischen Exporte ausmacht, ist bisher ausgenommen.

Hormus-Blockade trifft Düngemittel-Transport

Auslöser ist der Krieg im Nahen Osten. Die Blockade der Straße von Hormus betrifft laut Reuters rund ein Drittel des weltweiten Düngemittel-Seetransports. Landwirte von den USA über Europa bis Asien sichern sich laut Bloomberg seit Kriegsausbruch verstärkt Vorräte. Die internationalen Harnstoffpreise sind laut Green-Markets-Daten um rund 40 Prozent gestiegen.

China schränkt das Angebot ein, statt bei globaler Knappheit einzuspringen“, sagte Matthew Biggin, Rohstoffanalyst bei BMI, gegenüber Reuters. Peking priorisiere die eigene Ernährungssicherheit. Parallel hat die chinesische Agrarvereinigung laut Bloomberg die vorzeitige Freigabe staatlicher Düngemittelreserven für die Frühjahrssaat angeordnet.

Indien, das laut Bloomberg mehr als 40 Prozent seines Harnstoffs aus dem Nahen Osten bezog, hat China um Exportquoten gebeten. Auf einer Branchenkonferenz in Shanghai am Mittwoch rechneten laut Reuters fünf Vertriebsmitarbeiter nicht mit einer Aufhebung der Verbote vor August. Caitlin Welsh vom Center for Strategic and International Studies erklärte gegenüber Reuters, China werde alles vermeiden, was die heimischen Getreidepreise erhöhe.

China, der weltweit größte Ölimporteur, hat einem Reuters-Bericht zufolge ein Exportverbot für Treibstoff bis mindestens Ende März verhängt, um Engpässen im Inland vorzubeugen. Das Exportverbot für Diesel, Benzin und Kerosin setzt besonders asiatische Industrie- und Transportabnehmer unter Druck, hieß es.

Deutsche Produzenten könnten profitieren

Für deutsche Düngemittelproduzenten wie etwa K+S könnte die Lage Chancen eröffnen. Zwar betreffen die chinesischen Exportstopps laut Branchenanalysen vorrangig Stickstoff- und Phosphatdünger und nicht direkt den Kali-Markt – das Kerngeschäft von K+S, bei dem China sogar Nettoimporteur ist, wie Daten der CRU Group zeigen – doch die Verknappung wirkt sich auf den gesamten Düngemittelmarkt aus.

Unter anderem Stickstoffdüngerhersteller wie Yara und EuroChem profitieren direkt, weil Chinas Urea-Stopp Preise nach oben treibt. Wenn ein großer Exporteur wie China ausfällt, steigt die Nachfrage nach alternativen Lieferanten. Laut Emergen Research ist der globale Kali-Markt außerdem oligopolistisch strukturiert, sodass bereits kleine Angebotsverschiebungen zu spürbaren Preisaufschlägen führen können.

Höhere Stickstoff- und Phosphatpreise treiben laut Analysten außerdem die Agrarpreise insgesamt nach oben, wie Bloomberg berichtet. Landwirte verdienen dadurch mehr und können sich teureren Kalidünger leisten – ein indirekter Preiseffekt, der Herstellern wie K+S zugutekommt.

Gleichzeitig gibt es Risiken: Steigen die Düngemittelkosten zu stark, könnten Landwirte weltweit den Einsatz reduzieren, was die Nachfrage dämpfen würde. Auch russische und belarussische Anbieter liefern laut dem Nachrichtenportal Fertilizer Daily weiterhin mit Abschlägen nach Asien und begrenzen den Spielraum für Preiserhöhungen.