Ein Großteil der Gewalttaten in Deutschland bleibt im Verborgenen. Die Anzeigequote liegt bei den meisten Gewaltformen unter zehn Prozent. Bei psychischer und körperlicher Gewalt innerhalb von Partnerschaften zeigen sogar weniger als fünf Prozent der Opfer die Täter an. Das zeigt die Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (LeSuBiA), die das Bundeskriminalamt in Berlin vorstellte.
BKA-Präsident Holger Münch betonte, mit der Studie lägen erstmals umfassende geschlechterübergreifende Dunkelfelddaten vor. Die Befragung von rund 15.500 Personen zwischen 16 und 85 Jahren schließe eine langjährige Datenlücke.
Frauen erleben sexuelle Gewalt häufiger
Laut der Studie berichteten 62,3 Prozent der befragten Frauen von sexueller Belästigung im Laufe ihres Lebens, bei Männern waren es 28,6 Prozent. Psychische Gewalt in Partnerschaften erlebten 48,7 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer mindestens einmal.
Bei körperlicher Gewalt in den vergangenen fünf Jahren zeigen sich jedoch kaum Unterschiede: Frauen waren zu 5,2 Prozent betroffen, Männer zu 6,1 Prozent. Frauen erlitten allerdings häufiger Verletzungen und empfanden stärkere Angst.
Gewalt in der Erziehung weit verbreitet
Junge Menschen seien von nahezu allen Gewaltformen deutlich häufiger betroffen als ältere. Fast die Hälfte der Befragten berichtete von körperlicher Gewalt von Erziehungsberechtigten. Personen, die Gewalt zwischen Erziehungsberechtigten selbst erlebt haben, wurden auch häufiger selbst Opfer von Gewalt. (mit dpa)


