Der Bauernbund Brandenburg und die Bauernbewegung „Land schafft Verbindung MV“ haben heute ihre angekündigten Protestakte gegen das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen gestartet. Autofahrer müssen mit massiven Verkehrsbehinderungen rechnen. Inzwischen gibt es erste Meldungen darüber, welche Auffahrten dicht sind – und Konflikte mit den Einsatzkräften.
Die Autobahn GmbH warnte am Mittwochabend vor „erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen auf mehreren Autobahnen“. Landwirtschaftliche Fahrzeuge werden demnach zeitweise Auffahrten an den Autobahnen A10, A11, A14, A19, A20 und A24 blockieren.
Einschränkungen zwischen 6 und 20 Uhr
In Brandenburg rechnet die Behörde mit Einschränkungen zwischen 6 und 20 Uhr, in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 7 und 17 Uhr. Verkehrsteilnehmenden wird empfohlen, die betroffenen Bereiche zu umfahren.
Insgesamt sind nach aktuellem Kenntnisstand mehr als 40 Anschlussstellen betroffen. Allein an der A20 sollen 20 Auffahrten blockiert werden, darunter Schönberg, Tribsees, Neubrandenburg Nord und Pasewalk Nord. An der A24 sind sieben Auffahrten betroffen, etwa Parchim, Neuruppin und Kremmen. Die Autobahn GmbH schließt nicht aus, dass im Rahmen von Spontanversammlungen weitere Anschlussstellen hinzukommen.
A10 – Berliner Ring – betroffen
An der A10 nordwestlich von Berlin und der A24 im Nordwesten Brandenburgs sind mehrere Auffahrten dicht. Bei Kremmen standen am Morgen etwa drei bis vier Traktoren, der Protest verlief dort ruhig und ohne Staubildung. Bei Herzsprung blockierten nach Angaben eines Teilnehmers sechs Traktoren die Auffahrt Richtung Berlin, an der A19 bei Wittstock waren es fünf Fahrzeuge.
Die Autobahn GmbH hatte bereits am Mittwochabend vor „erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen“ gewarnt. Die geplanten Blockaden an den A11-Auffahrten Pfingstberg und Gramzow wurden laut Polizei jedoch abgesagt.
Polizei löst nicht angemeldete Versammlungen auf
An einigen Auffahrten protestierten Landwirte ohne vorherige Anmeldung, wie die Polizei mitteilte. Diese Versammlungen seien aufgelöst worden. Bauernbund-Sprecher Reinhard Jung bestätigte, dass sich mehrere Menschen spontan der Aktion angeschlossen hätten.
Die Polizei ist mit 300 Beamten zur Verkehrssicherung im Einsatz. Insgesamt nehmen laut einem Polizeisprecher weniger Menschen an den Protesten teil als zuvor angemeldet.
Landesbauernverband distanziert sich von Blockaden
Die Proteste gehen vom Bauernbund Brandenburg und der Bauernbewegung „Land schafft Verbindung MV“ aus. Der deutlich größere Landesbauernverband lehnt die Autobahnblockaden als Protestform ab.
Die Landwirte wenden sich gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und mehreren südamerikanischen Staaten. Sie befürchten unverhältnismäßige Konkurrenz durch günstige Importe aus Südamerika.
Bereits 2024 hatten Bauern mit ähnlichen Blockaden protestiert – damals gegen die Abschaffung von Steuerentlastungen beim Agrardiesel.
Landwirte fürchten Preisdruck durch südamerikanische Importe
Die EU verhandelt seit 1999 mit den Mercosur-Staaten über ein Freihandelsabkommen, das die weltweit größte Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Menschen schaffen soll. Die ursprünglich für Dezember geplante Unterzeichnung wurde auf Drängen Italiens verschoben. Die EU strebt nun den 12. Januar in Paraguay als Termin an.

