Die Nasa hat am 1. April 2026 um 18.35 Uhr Ortszeit die Rakete SLS (Space Launch System) vom Kennedy Space Center in Florida gestartet, wie die US-Raumfahrtagentur mitteilte. An Bord des Raumschiffs „Orion“ sind vier Astronauten: Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch (alle Nasa) sowie der kanadische Missionsspezialist Jeremy Hansen. Es ist die erste bemannte Mondmission seit Apollo 17 im Jahr 1972. Glover ist der erste Schwarze, Koch die erste Frau und Hansen der erste Nicht-US-Bürger auf einem Flug zum Mond.
Nach dem Start entfaltete „Orion“ seine Solarpaneele. Rund 49 Minuten nach dem Abheben brachte die Oberstufe das Raumschiff zunächst in eine elliptische Erdumlaufbahn. Ein zweiter Brennvorgang hob „Orion“ anschließend in einen hohen Erdorbit, der laut Nasa rund 74.000 Kilometer über die Erde hinausreicht. Danach trennte sich die Kapsel von der Oberstufe.
Tests erfolgreich absolviert
Im hohen Erdorbit absolvierte die Crew die sogenannte Proximity Operations Demonstration – ein rund 70-minütiges Manöver. Dabei steuerte sie die Kapsel manuell in der Nähe der abgetrennten Oberstufe der Trägerrakete, die bei dem Annäherungstest als Referenzpunkt diente.
Zunächst drehte sich „Orion“ automatisch um und richtete sich auf die Stufe aus. In etwa 90 Metern Entfernung stoppte die Kapsel, dann übernahm die Crew die Kontrolle über Handsteuerungen und Lageregelungstriebwerke. Bis auf rund zehn Meter näherte sich „Orion“ der Stufe, um das Feinsteuerungsverhalten zu prüfen. Die Nasa testete damit, wie sich die Kapsel bei manuellen Nahbereichsmanövern verhält.
The Artemis II crew has successfully completed the proximity operations demonstration! This test allows the astronauts to practice piloting Orion similarly to how they would if they were docking with another spacecraft — an important early test objective for the mission. pic.twitter.com/5FzBI96Lu3
— NASA Artemis (@NASAArtemis) April 2, 2026
Artemis II ist als rund zehntägiger Testflug geplant. Die Mission soll zentrale Systeme des Raumschiffs unter realen Bedingungen erproben, darunter erstmals die Lebenserhaltung mit Besatzung an Bord. Als nächster großer Schritt ist nach Nasa-Angaben der Einschuss in die Mondtransferbahn vorgesehen. Dafür soll das europäisch gebaute Servicemodul von „Orion“ ein rund sechsminütiges Manöver fliegen.
Zehn Tage Missionsdauer
Die Mission sieht keinen Eintritt in eine Mondumlaufbahn und keine Landung vor. Stattdessen soll „Orion“ den Mond passieren und dabei rund 6400 Kilometer über die Mondoberfläche hinausschießen – weiter als je ein Mensch von der Erde entfernt war. Beim Vorbeiflug am Montag soll die Crew die Mondoberfläche dokumentieren und Ausschnitte einer totalen Sonnenfinsternis beobachten.
Vier kleine Satelliten aus Argentinien, Deutschland, Südkorea und Saudi-Arabien sollen als Sekundärnutzlasten wissenschaftliche Untersuchungen und Technologietests ermöglichen. Der Nasa-Manager Amit Kshatriya erklärte, für das Programm liege die eigentliche Arbeit noch bevor. Probleme mit einer Warnleuchte und der Bordtoilette sind nach Nasa-Angaben inzwischen behoben.
Die Wasserung ist für den 10. April vor der Küste San Diegos geplant. Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erfolgt mit rund 30-facher Schallgeschwindigkeit, wobei ein neues Wiedereintrittsmanöver getestet wird, nachdem der Hitzeschild beim unbemannten Testflug Artemis I 2022 unerwartet beschädigt worden war.
Nasa-Administrator Jared Isaacman bezeichnete Artemis II laut der Los Angeles Times als „Eröffnungsakt“ eines „goldenen Zeitalters der Wissenschaft und Entdeckung“. Die Nasa plant für 2027 eine Kopplungsübung im Erdorbit (Artemis III) und strebt 2028 mit Artemis IV die erste bemannte Mondlandung seit über einem halben Jahrhundert an.


