Sri Lankas Präsident Anura Kumara Dissanayake hat am Freitag vor dem Parlament bestätigt, dass sein Land den USA die Landung zweier mit Schiffsabwehrraketen bestückter Kampfflugzeuge auf dem zivilen Flughafen Mattala im Süden des Landes untersagt hat. Die Maschinen sollten von der US-Basis in Dschibuti kommen und insgesamt acht Schiffsabwehrraketen an Bord haben, erklärte der Präsident laut übereinstimmenden Berichten von unter anderem der New York Times und der Zeitung The Hindu.
Die Vereinigten Staaten hatten die Anfrage am 26. Februar gestellt – zwei Tage bevor Washington und Israel am 28. Februar den Krieg gegen den Iran begannen. Sri Lanka prüfte den Antrag noch, als die Kampfhandlungen ausbrachen, und lehnte ihn unter Verweis auf seine Neutralität ab, wie Vertreter des Verteidigungs- und Außenministeriums der New York Times bestätigten.
Am selben Tag, dem 26. Februar, hatte auch der Iran um Erlaubnis gebeten, drei Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Sri Lanka zu entsenden. Auch diese Anfrage wurde abgelehnt. „Hätten wir dem Iran zugestimmt, hätten wir auch den USA zustimmen müssen“, erklärte Dissanayake den Abgeordneten.
Washington nach Angaben aus Sri Lanka „überrascht“
Sri Lankas Außenminister Vijitha Herath sagte der New York Times, die USA hätten keinen Grund für die Stationierung genannt und lediglich um eine Parkgelegenheit auf dem Flughafen gebeten. Washington sei „überrascht, aber nicht verärgert“ gewesen, die Beziehungen beider Länder seien weiterhin gut.
Nur wenige Tage nach der abgelehnten Anfrage torpedierte die US-Marine am 4. März die iranische Fregatte „Iris Dena“ vor der srilankischen Hafenstadt Galle. Bei dem Angriff kamen 84 Seeleute ums Leben, 32 wurden von der srilankischen Marine gerettet. Ein zweites iranisches Kriegsschiff, die „Iris Bushehr“, musste wegen technischer Probleme ebenfalls in srilankische Gewässer einlaufen. Insgesamt beherbergt Sri Lanka derzeit rund 204 iranische Seeleute in einer Marineeinrichtung nahe Colombo.
Der ehemalige Außenamtssekretär Prasad Kariyawasam erklärte gegenüber der New York Times, die logistische Zusammenarbeit zwischen den USA und Sri Lanka sei grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. US-Flugzeuge hätten in der Vergangenheit mehrfach srilankische Flughäfen genutzt – „aber nicht, wenn ein Krieg im Gange ist“.
USA und Iran sind wichtige Handelspartner für Sri Lanka
Dissanayakes Erklärung erfolgte einen Tag nach einem Treffen mit dem US-Sondergesandten für Süd- und Zentralasien, Sergio Gor. Beide Seiten sprachen laut einer offiziellen Mitteilung über Handelsbeziehungen, die Sicherung wichtiger Seewege und die Zusammenarbeit in der Indo-Pazifik-Region.
Sri Lanka befindet sich in einer schwierigen Lage: Die USA sind der größte Exportmarkt des Landes, insbesondere für Textilien, während der Iran zu den wichtigsten Abnehmern srilankischen Tees zählt. Zugleich erholt sich der Inselstaat noch von einer schweren Finanzkrise, die im Jahr 2022 ihren Höhepunkt erreichte. Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten verschärfen die angespannte Versorgungslage zusätzlich.


