Gesundheitssystem

Aktuelle Umfrage: Elektronische Patientenakte weiterhin fehleranfällig

Die Verbraucherzentrale kritisiert fehlende Funktionen und technische Hürden. Rezepte müssen noch zu oft ausgedruckt werden. Befragte vermissen digitale Impf- und Mutterpässe.

Bei der elektronischen Patientenakte zeigen sich immer noch erhebliche Alltagsprobleme.
Bei der elektronischen Patientenakte zeigen sich immer noch erhebliche Alltagsprobleme.picture alliance / dpa

Gut ein Jahr nach der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) zieht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine ernüchternde Bilanz. 71 Prozent der gesetzlich Versicherten nutzen ihre Akte bisher nicht aktiv. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands. „Die ePA ist noch nicht im Alltag der Menschen angekommen“, sagte vzbv-Vorständin Ramona Pop am Mittwoch in Berlin.

Ein zentrales Hindernis bleibt, dass viele Arztpraxen die ePA nicht oder nur unvollständig nutzen. Eine Vielzahl von Befunden und Rezepten müsste weiterhin in Papierform übermittelt werden, berichteten Verbraucher in einem ergänzenden Aufruf des vzbv.

Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Markus Beier, bezeichnete die ePA als „unsortierte PDF-Sammlung“, mit der Praxen wenig anfangen könnten. Hinzu kämen wiederkehrende Störungen und Schwierigkeiten von Ärzten, Befunde ordentlich einzutragen.

Fehlende Funktionen und technische Probleme

Versicherte wünschen sich laut Umfrage vor allem digitale Übersichten ihrer Gesundheitsdaten. So plädierten 66 Prozent dafür, Impfpässe und Übersichten von Medikamenten automatisiert zugänglich zu machen. Gleiches betrifft Daten zu Zahnarztterminen oder den Mutterpass. Diese Funktionen stehen bisher nicht zur Verfügung. Auch technische Probleme bei der Registrierung – etwa Fehlermeldungen beim Einlesen der Gesundheitskarte oder inkompatible Smartphones – wurden vielfach geschildert.

Der vzbv fordert einen verbindlichen Zeitplan für die Weiterentwicklung sowie eine unabhängige wissenschaftliche Evaluation der ePA. Auch sollte überlegt werden, diese Anwendungzu einem zentralen Gesundheitsportal auszubauen. Zielgruppe wären Menschen, „die Fragen zu ihrer Gesundheit haben und nicht irgendwelchen obskuren Gesundheits-Influencern auf den Leim gehen“ wollten, sagte Pop. (mit AFP und dpa)