Energiekrise

Afrika ringt mit Treibstoffknappheit – Staaten greifen zu Notmaßnahmen

Von Kairo bis Windhoek greifen Regierungen und Unternehmen ein. Die Krise betrifft Versorgung, Preise und Lieferwege. Es geht an die Reserven.

Äthiopien, Addis Abeba: Ein Radfahrer fährt an einer geschlossenen Tankstelle vorbei.
Äthiopien, Addis Abeba: Ein Radfahrer fährt an einer geschlossenen Tankstelle vorbei.AFP/Marco Simoncelli

In Kairo beginnt am heutigen Montag die dreitägige Energiekonferenz EGYPES. Zu dem Treffen werden nach Angaben der Veranstalter Staats- und Regierungsvertreter, Minister, Vertreter staatlicher und privater Energiekonzerne sowie Investoren aus mehr als 120 Ländern erwartet. Im Mittelpunkt stehen nach Veranstalterangaben Versorgungssicherheit, geopolitische Spannungen und schwankende Energiemärkte in Afrika und im Mittelmeerraum.

Ägypten ist dabei nicht nur Gastgeber der Konferenz, sondern selbst bereits von den Folgen des Energieschocks betroffen. Premierminister Mostafa Madbouly kündigte am 28. März an, große Staatsprojekte mit hohem Treibstoffverbrauch für mindestens zwei Monate zu verlangsamen. Die Benzinzuteilungen für alle Regierungsfahrzeuge werden um 30 Prozent gekürzt.

Im April sollen alle Beschäftigten im öffentlichen und im privaten Sektor an einem Tag in der Woche im Homeoffice arbeiten. Ausgenommen sind Dienstleistungen und Fertigung. Bei anhaltendem Konflikt könnte die Regelung verlängert und auf mehr Tage ausgedehnt werden, so Madbouly laut Reuters.

Äthiopien ruft zum Sparen auf, Namibia senkt Steuern

Die äthiopische Ethio Engineering Group hat ihre mehr als 3000 Beschäftigten angewiesen, ihren Energieverbrauch senken. Das Unternehmen verweist auf Regierungsvorgaben in Addis Abeba zum sparsamen Umgang mit Treibstoff, wie Reuters am Sonntag berichtete.

„Unsere Regierung hat angeordnet, dass Institutionen und Bürger Treibstoff sparsam verwenden müssen“, erklärte die Unternehmensgruppe in einer Stellungnahme am Sonntag. Neben virtuellen Treffen müssen Mitarbeiter Fahrgemeinschaften bilden. Dienstfahrzeuge dürfen nur noch an regulären Arbeitstagen bewegt werden. Das Unternehmen stellt unter anderem Kunststoffverpackungen und Landmaschinen her.

Das Binnenland Äthiopien ist wie andere Staaten der Region von Lieferunterbrechungen betroffen. Auslöser ist der US-israelische Angriff auf den Iran. Rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggas-Exporte passiert die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Störungen auf dieser Route treffen importabhängige afrikanische Volkswirtschaften besonders hart.

Namibias Energieminister Modestus Amutse erklärte am Tag zuvor, die Regierung werde die Treibstoffsteuern von April bis Ende Juni vorübergehend um 50 Prozent senken. Die Kosten dafür – allein im April rund 500 Millionen Namibia-Dollar, umgerechnet etwa 29 Millionen US-Dollar – trägt der staatliche Nationale Energiefonds. Namibia ist vollständig auf importierte Raffinerieprodukte angewiesen und verbraucht monatlich rund 100 Millionen Liter Benzin und Diesel. Amutse betonte laut Reuters, die Vorräte reichten für ein bis zwei Monate, und warnte vor illegalem Horten.

Dangote-Raffinerie steigert Exporte in Nachbarländer

In Westafrika verschiebt die Krise die Handelsströme. Nigerias Dangote-Raffinerie mit einer Kapazität von 650.000 Barrel pro Tag hat laut Daten der Tankerverfolgungsfirma Kpler ihre Exporte von Benzin, Diesel und anderen Raffinerieprodukten in andere afrikanische Länder von durchschnittlich 38.000 auf rund 90.000 Barrel pro Tag gesteigert. Lieferungen gingen unter anderem an die Elfenbeinküste, Kamerun, Tansania, Ghana und Togo, berichtete Reuters unter Berufung auf mit den Geschäften vertraute Quellen.

Auch in Ostafrika werden die Treibstoffvorräte knapper. Ugandas Energieministerin Ruth Nankabirwa bezifferte die Dieselreserven auf 21 Tage und die Benzinreserven auf 26 Tage. Sie kündigte an, alternative Lieferwege zu prüfen. Kenias Energieminister Opiyo Wandayi betonte am 26. März, das Land verfüge über ausreichende Vorräte. Zugleich rief er die Bevölkerung auf, nicht zu hamstern.