Welthandel

Ägypten erhöht Bereitschaft am Suezkanal wegen Eskalation im Nahen Osten

Milliardenverluste für Kairo: Die Regierung reagiert besorgt auf die Folgen des Iran-Kriegs für Handel und Schifffahrt. Große Reedereien meiden bereits auch die Suezroute.

Der Suezkanal zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt und ist für Ägypten wirtschaftlich zentral.
Der Suezkanal zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt und ist für Ägypten wirtschaftlich zentral.Ziad Ahmed/imago

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat am Sonntag die Auswirkungen des Nahostkriegs auf den Suezkanal mit Premierminister Mostafa Madbouly und dem Vorsitzenden der Suezkanalbehörde, Admiral Osama Rabie, besprochen. Das teilte Präsidentschaftssprecher Mohamed El-Shennawy mit.

Admiral Rabie legte dar, wie sich der Konflikt auf den Schiffsverkehr und die internationalen Lieferketten auswirkt. Die Kanalbehörde habe die Bereitschaftsstufe an allen Standorten und Einrichtungen angehoben, der Kanal stelle seine Dienste aber weiterhin rund um die Uhr bereit, erklärte Rabie. Präsident al-Sisi wies an, die Sicherheitsvorkehrungen an sämtlichen Betriebsstandorten weiter zu verschärfen.

Der Suezkanal ist für Ägypten wirtschaftlich zentral, weil er zu den wichtigsten Quellen für Devisen- und Staatseinnahmen zählt. Nachdem die Einnahmen infolge der Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer und der regionalen Krisen stark eingebrochen waren, hatte sich der Verkehr Anfang 2026 etwas stabilisiert. Die neue Eskalation im Nahen Osten droht diese Erholung nun wieder zunichtezumachen. Präsident Abdel Fattah al-Sisi sprach Mitte März von Einnahmeverlusten von insgesamt rund 10 Milliarden US-Dollar. Neue Störungen des Kanalverkehrs treffen Ägyptens angespannte Finanzlage damit unmittelbar.

Reedereien meiden Suezkanal und Straße von Hormus

Wie angespannt die Lage auf den Seewegen ist, zeigen Entscheidungen großer Reedereien. Die dänische Maersk hat Anfang März alle Durchfahrten durch die Meerenge Bab al-Mandab am Südeingang des Roten Meeres ausgesetzt, wie das Unternehmen mitteilte. Zwei wichtige Liniendienste zwischen dem Nahen Osten und dem Mittelmeer beziehungsweise der US-Ostküste werden seither über das Kap der Guten Hoffnung geführt – mit deutlich längerer Transitzeit. Zusätzlich hat Maersk sämtliche Fahrten durch die Straße von Hormus bis auf Weiteres eingestellt. Auch Hapag-Lloyd hat zentrale Nahostrouten gestoppt.

Die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman ist seit Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar weitgehend blockiert. Nach Angaben des Wall Street Journal sitzen mehr als 100 Schiffe im Persischen Golf fest, darunter zehn Containerschiffe von Maersk. Häfen rund um den Indischen Ozean füllen sich mit umgeleiteter Fracht, in asiatischen Schifffahrtszentren wird der Treibstoff knapp.

Maersk-Chef Vincent Clerc sagte dem Wall Street Journal, selbst im Fall eines Waffenstillstands brauche sein Unternehmen mindestens sieben bis zehn Tage, um den Normalbetrieb wieder aufzunehmen. Am vergangenen Donnerstag wurde ein Hapag-Lloyd-Containerschiff von Geschossfragmenten getroffen und geriet in Brand.

Gestrandete Fracht, überfüllte Häfen

Die Folgen treffen auch andere Branchen. Emanuele Grimaldi, Geschäftsführer des weltweit größten Autotransportunternehmens Grimaldi Group, berichtete dem Wall Street Journal, er habe etwa eine Ladung europäischer Fahrzeuge in Kenia entladen lassen müssen, weil Häfen in der Nähe des Golfs bereits überfüllt seien. „Das Problem muss so oder so gelöst werden, weil es für die gesamte Weltwirtschaft zu wichtig ist“, sagte Grimaldi.

Die Schifffahrtsbranche hatte sich gerade erst von den zweijährigen Angriffen jemenitischer Huthi-Rebellen auf Handelsschiffe im Roten Meer erholt und begonnen, die Suezroute wieder regulär zu nutzen.