Er war für die Ermittlungen zur legendären XY-Bande ebenso zuständig wie für die zum Mord an der 17 Jahre alten, hochschwangeren Maike Thiel. Gerd Schnittcher führte in zahlreichen Kriminalfällen im Norden Brandenburgs die Arbeit der Kriminalisten. Nun ist der einstige Leitende Oberstaatsanwalt der Behörde in Neuruppin unerwartet gestorben – kurz vor seinem 77. Geburtstag.
Schnittcher stammte, wie viele Beamte nach der Wende, aus Nordrhein-Westfalen. Der gebürtige Duisburger kam nach der Wende, um zunächst beim Aufbau der Staatsanwaltschaft Potsdam zu helfen. Am 1. Dezember 1996 wurde der passionierte Jäger zum Leitenden Oberstaatsanwalt in Neuruppin ernannt, den Posten hatte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2014 inne, galt als konsequenter Verfolger von Korruption.
Zu seinen spektakulärsten Fällen gehörten die Ermittlungen zur Neuruppiner XY-Bande – die so hieß, weil die Mitglieder die Buchstaben XY in den Kennzeichen ihrer Autos hatten. Sie gehörte zur Organisierten Kriminalität, machte ihr Geld unter anderem mit Drogenhandel und illegalem Glücksspiel. Chef der kriminellen Vereinigung war ein Stadtverordneter. Doch auch zwei weitere Stadtparlamentarier, der damalige Leiter des städtischen Liegenschaftsamts und ein Polizist waren in die Verbrechen verstrickt.
Doch Schnittcher und seine Kollegen brachten auch Mörder zur Strecke: Kriminelle, die bei Raubüberfällen auf Geldtransporter und Banken Menschen umgebracht haben. Und die Täter, die die 17-jährige hochschwangere Maike Thiel aus Leegebruch umgebracht haben sollen. Ihr Freund und dessen Mutter wurden in dem Mordfall ohne Leiche zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Mittlerweile läuft ein Wiederaufnahmeverfahren in dem Fall.
Mord an 15-Jähriger nach 21 Jahren geklärt
Legendär ist auch der Mordfall Andrea Steffen. Das Sexualverbrechen konnte erst 2012 – 21 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der Schülerin – geklärt werden. Schnittcher hatte einen Massen-Gentest beantragt, wonach 2233 Männer zwischen 38 und 85 Jahren aufgerufen worden waren, eine Speichelprobe abzugeben. Der mutmaßliche Täter war nicht darunter.
Doch offenbar war der Fahndungsdruck so stark, dass sich der 64-jährige Täter im Dezember 2011 bei Zepernick vor einen Zug warf. In seinem Abschiedsbrief hinterließ er ein Geständnis. Darin bekannte er, die 15-Jährige im Mai 1991 in der Uckermark vergewaltigt und getötet zu haben.


