Winterchaos in Berlin

Glatteis in Berlin dauert noch Tage an: Streusalz ausverkauft, Bezirke überfordert

Der Winter legt die Hauptstadt lahm: Streugut in Baumärkten ist ausverkauft, die Räumpflichtkontrollen der Bezirke kollabieren unter der Flut an Beschwerden.

Ein Sturz auf glatter Eisdecke: Bei den anhaltenden Minusgraden werden viele Gehwege in Berlin zu gefährlichen Rutschbahnen.
Ein Sturz auf glatter Eisdecke: Bei den anhaltenden Minusgraden werden viele Gehwege in Berlin zu gefährlichen Rutschbahnen.Uwe Zucchi/dpa

Der Winter hält die Hauptstadt fest im Griff und stellt sowohl die Infrastruktur als auch die Geduld der Bürger auf eine harte Probe. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt und einer anhaltenden Glättegefahr durch festgetretenen Schnee und Eisregen spitzt sich die Lage auf den Gehwegen zu. Während die Stadtreinigung versucht, der Lage Herr zu werden, stoßen die Berliner Bezirke bei der Kontrolle der Räumpflichten an ihre personellen Grenzen.

Die Vorhersage verspricht vorerst keine Entspannung: Bis zum Wochenende bleiben die Werte frostig, und für Donnerstag kündigen sich weitere Schneefälle an, die die ohnehin angespannte Situation verschärfen könnten.

Engpässe beim Streugut und klare Absagen

In der Not suchen viele Berliner verzweifelt nach Mitteln, um die Wege vor ihren Haustüren rutschfest zu machen. Doch der Gang zum Baumarkt führt oft vor leere Regale. Große Ketten wie OBI und Hornbach melden teils einen kompletten Ausverkauf von Streusalz und Splitt. Zwar wird vereinzelt Ware nachgeliefert, doch diese ist meist innerhalb kurzer Zeit vergriffen. Experten raten dazu, die Bestände online zu prüfen und Reservierungsmöglichkeiten zu nutzen, bevor man den Weg in die Filialen antritt.

Eine wichtige Anlaufstelle bleibt die Berliner Stadtreinigung (BSR), die weiterhin kostenlos Splitt in haushaltsüblichen Mengen von bis zu zehn Litern abgibt. Allerdings herrscht hier oft Verwirrung über die Standorte. Die BSR betont ausdrücklich, dass die Recyclinghöfe kein Streugut ausgeben. Wer Splitt benötigt, muss sich zu einem der drei ausgewiesenen Betriebshöfe in der Forckenbeckstraße (Wilmersdorf), der Mühlenstraße (Friedrichshain) oder der Nobelstraße (Neukölln) begeben. Da die Nachfrage enorm ist – allein am vergangenen Samstag wurden rund 20 Tonnen abgegeben –, sollten Bürger eigene Gefäße mitbringen und sich auf Wartezeiten einstellen.

Ausnahmezustand bei der Räumpflicht

Normalerweise ist der Einsatz von Auftaumitteln wie Salz auf Berliner Gehwegen streng untersagt, um die Umwelt zu schonen. Angesichts der extremen Wetterlage hat der Senat jedoch eine befristete Ausnahme bis Mitte Februar erlassen. Dennoch warnen Fachleute davor, sich allein auf Salz zu verlassen. Bei dicken Eisschichten ist es effektiver, das Eis zunächst mechanisch aufzubrechen und anschließend mit abstumpfenden Mitteln wie Splitt oder Granulat zu sichern. Für Fußgänger, insbesondere ältere Menschen, werden zudem Spikes für die Schuhe empfohlen, die im Sportfachhandel derzeit ebenfalls sehr gefragt und etwa bei Decathlon bereits ausverkauft sind.

Während die BSR rund 11.000 Kilometer Fahrbahnen und wichtige Knotenpunkte wie Haltestellen räumt, liegt die Verantwortung für die Gehwege bei den Anliegern. Doch die Kontrolle dieser Pflicht erweist sich als Mammutaufgabe. Die Bezirksämter berichten von einer Flut an Beschwerden. Allein in Pankow gingen seit Mitte November gut 460 Meldungen ein – mehr als in den vergangenen zwei Wintern zusammen. In Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln räumt man offen ein, dass das Personal nicht ausreicht, um alle Hinweise zeitnah zu prüfen. In besonders schweren Fällen greifen die Behörden zur sogenannten Ersatzvornahme: Der Bezirk lässt den Weg auf Kosten des Eigentümers räumen, was teuer werden kann.

Unterstützung durch den Senat

Um einen drohenden Stillstand zu verhindern, koordiniert die Senatsverwaltung für Mobilität nun verstärkte Hilfsmaßnahmen. Die BSR unterstützt die Bezirke nicht nur mit Material und Werkzeug, sondern hilft punktuell auch an sensiblen Orten wie Schulen, Kitas und Arztpraxen. Zudem werden Mitarbeiter aus anderen Ämtern abgezogen, um den Winterdienst zu unterstützen. Trotz dieser Anstrengungen bleibt die Eigenverantwortung der Berliner entscheidend, um sicher durch die kommenden Frosttage zu kommen.