Videoüberwachung

Spranger macht Rückzieher bei KI-Kameras am Berliner Abgeordnetenhaus

Die moderne Überwachungstechnik soll verdächtige Verhaltensmuster erkennen. Volksvertreter befürchteten Eingriff in ihre Rechte: „Die Polizei überwacht ihr eigenes Kontrollorgan.“

Die Berliner CDU-SPD-Koalition will mehr intelligente Videokameras einsetzen.
Die Berliner CDU-SPD-Koalition will mehr intelligente Videokameras einsetzen.Jens Büttner/dpa

Das Berliner Abgeordnetenhaus soll nun doch nicht durch KI-Kameras videoüberwacht werden. In einem Pilotversuch zum Objektschutz sollten eigentlich drei landeseigene Gebäude mit Kameras versehen werden, die, unterstützt durch Künstliche Intelligenz (KI), auffällige Verhaltensmuster von Personen erkennen.

Ein KI-Überwachungssystem soll jetzt nur noch am Roten Rathaus in Mitte und der Senatsverwaltung für Inneres an der Klosterstraße installiert werden. „Wir werden die Pilotierung am Abgeordnetenhaus nicht weiterverfolgen“, sagte Innensenatorin Spranger am Montag. „Das ziehe ich zurück.“

Als Grund für den Rückzieher nannte Spranger die besondere Sensibilität parlamentarischer Bereiche, die „in Hinblick auf Transparenz, Zugänglichkeit und demokratische Wahrnehmung“ besonders hohen Anforderungen unterliege.

Eingriff in Abgeordnetenrechte befürchtet

Vor zwei Wochen hatte Sprangers Staatssekretär einen entsprechenden Pilotversuch zum Schutz der drei landeseigenen Häuser, inklusive des Parlamentsgebäudes, angekündigt. Dies hatte Beschwerden von Abgeordneten zur Folge, zumal die wenigsten von diesem Vorhaben wussten. Kritik äußerte unter anderem die Linkspartei: Kameras mit KI-Unterstützung könnten eine abschreckende Wirkung auf Menschen haben, die Abgeordnete im Haus aufsuchen. Die Polizei überwache ihr eigenes Kontrollorgan, was ein Eingriff in Abgeordnetenrechte sei, hieß es unter anderem. Im Abgeordnetenhaus habe es überhaupt keine Debatte darüber gegeben, stellte Niklas Schrader von der Linke-Fraktion fest. „Und ob die Abgeordneten das überhaupt wollen und ob wir hier Ihre Versuchskaninchen für so ein Pilotprojekt sein wollen.“

Die Kameras an der Innenverwaltung und am Roten Rathaus sollen Ende des Jahres installiert werden. Die entsprechenden Ausschreibungen für die Anschaffung der Technik und Software laufen.

KI-Überwachungstechnik soll künftig auch an Botschaften eingesetzt werden. Dadurch erhofft sich die Polizeiführung eine Entlastung ihres Objektschutzes. Wegen des chronischen Personalmangels dort müssen auch rund 400 höher qualifizierte Vollzugsbeamte vor den Objekten Wache schieben.

Bei KI-unterstützter Kameratechnik kann Software bestimmte Verhaltensmuster, die auf Straftaten hindeuten, automatisiert erkennen. Die Polizisten an den Bildschirmen der Leitstelle werden dann darauf hingewiesen. Zu diesen Mustern gehören zum Beispiel Schlagen oder Treten. Oder ob jemand zu lange in einem sensiblen Bereich steht oder sich geradewegs in eine Sperrzone bewegt und sich nervös umschaut. Läuft jemand lange hin und her, könnte dies auf einen Drogendealer hindeuten – ein Grund für die Polizei, dort nachzusehen. Das ist jedenfalls die Idealvorstellung.