Im Berliner Abgeordnetenhaus herrschte am Montag ein für eine Sitzung des Bauausschusses ungewöhnlich hoher Andrang. Die gemeinsame Anhörung des Stadtentwicklungs- und des Sportausschusses zur Zukunft des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) entwickelte sich zu einem harten Schlagabtausch über die Prioritäten der wachsenden Metropole. Während ein gerichtlich erwirkter Abrissstopp aus Naturschutzgründen die Bagger vorerst zum Schweigen bringt, prallten im Inneren des Hauses die Visionen unversöhnlich aufeinander.
Die Sitzung war von Beginn an durch eine neue Eskalation belastet: Ausgerechnet am Tag der Anhörung legte die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) eine neue Abrissanzeige vor. Der Linke-Abgeordnete Michael Efler bezeichnete diesen Vorgang als „Missachtung des Parlamentes“ und kritisierte die mangelnde Transparenz des Senats. In dem Antrag seiner Fraktion wird das Gebäude als „ikonisches SEZ“ bezeichnet und der Abriss als ein „Muster für einen unwürdigen und respektlosen Umgang mit dem Bauerbe“ gewertet. Efler forderte eine umfassende Machbarkeitsstudie, da für ihn „das Bedauerlichste diese Alternativlosigkeit ist, mit der mit diesem Thema umgegangen wird“.
Für Gaebler steht neuer Wohnraum an oberster Stelle
Bausenator Christian Gaebler (SPD) hielt dem den massiven Druck auf dem Berliner Wohnungsmarkt entgegen. In einer direkten Replik auf Susanne Lorenz von der Initiative SEZ für alle, die zuvor emotional auf die Menschenkette vom Samstag verwiesen hatte, wählte er ein Bild, das die Schärfe der Lage unterstrich: „Die Schlange bei Wohnungsbesichtigungen sind mindestens so lang wie Ihre Menschenkette um das SEZ.“ Für Gaebler steht die Schaffung von neuem Wohnraum an oberster Stelle. Das Land plant auf dem Gelände rund 650 Wohnungen und verwies auf Sanierungskosten, die einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb ausschlössen.
In der Expertenanhörung zog sich die Spaltung fort. Professorin der Technischen Universität Berlin Ursula Quatember plädierte für den Erhalt als „architekturhistorisches Zeugnis von hohem Rang“. Im Gegensatz dazu sah Landeskonservator Christoph Rauhut keine ausreichende Denkmalwürdigkeit. Das SEZ sei keine „Ikone der DDR-Architektur“ wie etwa der Friedrichstadtpalast, und die massiven Substanzverluste sprächen gegen eine Einstufung als Denkmal.
SEZ-Abriss: Fronten weiter verhärtet
Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) verwies auf den Vorschlag des Bündnisses SEZ-Quartier neu denken, die Wohndichte durch den Bau von vier Hochhäusern mit bis zu 60 Metern Höhe zu erreichen, um das Hauptgebäude für soziale Zwecke zu erhalten. „Wir müssen das Neue feiern, das Alte würdigen“, so ihr Credo. Die Planer der WBM wiesen dies jedoch als technisch riskant zurück. Sie betonten, dass Hochhäuser an dieser Stelle aufgrund der Lärmbelastung der Landsberger Allee kaum lebenswerte Wohnungen zuließen.


