Kein Glücksbringer?

Weihnachten und Mistel gehören zusammen, aber in Berlin werden sie zur Plage

Nicht nur bei Asterix waren Misteln im Zaubertrunk der Druiden. Einst waren sie eine echte Rarität, aber als Profiteure des Klimawandels befallen sie immer mehr Bäume.

Misteln – Glücksbringer und Plage. Derk Ehlert vor einem massiv befallenen Baum im Patschkauer Weg in Lichterfelde.
Misteln – Glücksbringer und Plage. Derk Ehlert vor einem massiv befallenen Baum im Patschkauer Weg in Lichterfelde.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Wieso sollte eine Pflanze aus Mist bestehen? Wie sieht sie aus? Und warum hängen sich einige Leute einen Zweig davon oben an den Türrahmen? Stinkt eine Pflanze aus Mist in der Wohnung eigentlich? Und wenn sich Liebende zum Weihnachtsfest unter dem Zweig küssen, warum wird ihnen dann ewige Liebe versprochen – und viele Kinder? All diese Fragen waren sofort da, als ich als Kind in einem Weihnachtsbuch von der sagenumwobenen Mistel las.

Sie wurde beiläufig erwähnt, als wüssten alle Bescheid. Ich aber war neun Jahre alt, hatte keine Ahnung und fragte meinen Vater: Bestehen Misteln wirklich aus Mist? „Natürlich nicht“, sagte der Gartenbauingenieur. Er griff sich eine warme Jacke. „Komm, wir fahren Misteln suchen.“ Wir kurvten im Auto durch die Winterlandschaft und suchten die kahlen Baumkronen ab – nach einem dichten Ball. „Diese immergrüne Pflanze ist recht selten“, sagte mein Vater, „genau deshalb wurde sie zu einer mythischen Pflanze erklärt.“

Berliner Zeitung

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