Wieso sollte eine Pflanze aus Mist bestehen? Wie sieht sie aus? Und warum hängen sich einige Leute einen Zweig davon oben an den Türrahmen? Stinkt eine Pflanze aus Mist in der Wohnung eigentlich? Und wenn sich Liebende zum Weihnachtsfest unter dem Zweig küssen, warum wird ihnen dann ewige Liebe versprochen – und viele Kinder? All diese Fragen waren sofort da, als ich als Kind in einem Weihnachtsbuch von der sagenumwobenen Mistel las.
Sie wurde beiläufig erwähnt, als wüssten alle Bescheid. Ich aber war neun Jahre alt, hatte keine Ahnung und fragte meinen Vater: Bestehen Misteln wirklich aus Mist? „Natürlich nicht“, sagte der Gartenbauingenieur. Er griff sich eine warme Jacke. „Komm, wir fahren Misteln suchen.“ Wir kurvten im Auto durch die Winterlandschaft und suchten die kahlen Baumkronen ab – nach einem dichten Ball. „Diese immergrüne Pflanze ist recht selten“, sagte mein Vater, „genau deshalb wurde sie zu einer mythischen Pflanze erklärt.“

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