Marcus Urban klingt versöhnt mit seinem Leben. Der Fußball habe ihn verloren, sagte der 1971 in Weimar geborene Spieler der DDR-Jugendnationalmannschaft in einem Interview mit dem Südwestrundfunk. Nach der Wende stand dem jungen Talent des FC Rot-Weiß Erfurt eine Karriere in der Bundesliga offen. Doch Urban verzichtete und wurde Ingenieur. Der ehemalige Spieler lüftete 2007 sein Geheimnis. Er habe sich als schwuler Mann für den Fußball nicht selbst verleugnen wollen, erklärte Urban. Seine Biografie erschien ein Jahr später unter dem Titel: „Versteckspieler“.
Karriere oder Lebensglück, das soll keine Option mehr für professionelle Sportler sein. Athleten aus europäischen Ländern können sich von heute an auf der Internetseite der Sports-Free-Kampagne outen. Sportverbände unterstützen das Projekt. Der 17. Mai ist der internationale Tag gegen Homophobie und die Diskriminierung anderer sexueller Minderheiten. An jedem 17. Tag des Monats soll es künftig für Profis im Sport möglich sein, sich auf der Internetseite zu ihrer sexuellen Orientierung zu bekennen.
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Die Öffentlichkeit interessiert vor allem für den Fußball
Die Öffentlichkeit reduziert ihr Interesse vor allem auf schwule Profifußballer. Urban dämpfte die Erwartungen. Die Zurückhaltung in der Bundesliga sei groß, erklärte er in Interviews. Der DDR-Spieler kennt den Druck, der auf schwulen Fußballern lastet. Homosexualität galt zu seinen aktiven Spielzeiten als Tabu im Fußball. Der Zwang zur Selbstverleugnung forderte seinen Tribut. Urban kämpfte mit Depressionen.
Drei Jahrzehnte später ist das gesellschaftliche Klima allerdings ein anderes. Der Profifußball setzt nach außen Zeichen gegen Diskriminierung. Die Auseinandersetzung um eine Regenbogenbinde des Kapitäns Manuel Neuer bei der Weltmeisterschaft in Katar ist in Erinnerung geblieben. Der Weltverband Fifa verbot es. Die deutsche Nationalmannschaft musste am Ende nachgeben.


